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Wenn der Norovirus plötzlich zuschlägt

Es begann bei den Kindern: „Von jetzt auf gleich hatten sie Magenkrämpfe, klagten über heftige Übelkeit und erbrachen sich schwallartig. Hinzu kam Schüttelfrost.“ Während sich Martin G. und seine Frau noch Sorgen um die Kinder machten, traf es auch sie. „Die ganze Familie war dann zwei Tage wie erschlagen und platt. Kein Schluck Wasser blieb drin. Und dann verschwand es so plötzlich, wie es gekommen war.“ Wie die Familie von Martin G., so trifft es derzeit viele Menschen. Diagnose: Norovirus. 

Dr. Jürgen Otten, Leiter des Gesundheitsamtes Mayen-Koblenz, kennt das: „Der Norovirus begleitet uns quasi durchs Jahr. Derzeit stellen aber auch wir eine deutliche Häufung fest.“ Noroviren zeigen sich meist als Magen-Darm-Erkrankung. Zum Erbrechen komme häufig ein starkes Krankheitsgefühl mit Bauch- und Muskelschmerzen, gelegentlich mit leichtem Fieber und Kopfschmerzen hinzu.

Doch wo und wie steckt man sich an? „Der Erreger wird mit dem Stuhl und dem Erbrochenen ausgeschieden und ist hochinfektiös. Das sind sogenannte Schmierinfektionen. Kleinste Reste vom Stuhl oder Erbrochenem reichen aus“, so der Mediziner. „Auch das Abhusten oder mangelnde Hygiene tragen zur Verbreitung bei. Dann kann schon ein freundlicher Händedruck reichen. Ein kurzer Griff zum Mund - und der Erreger ist im Körper.“ So erklärt sich auch, dass immer wieder Kindergärten oder Schulen betroffen sind. Oder aber, wie vor ein paar Jahren, dass ein Passagierschiff zahlreiche Erkrankte an Bord hatte: Wo Menschen auf engem Raum sind, hat der Virus optimale Bedingungen.“

Während man sich bei normaler Konstitution weniger Sorgen machen muss, ist die Gefahr für Kleinkinder, Senioren oder durch Krankheit in ihrem Immunsystem geschwächte Menschen nicht zu unterschätzen. Die größte Gefahr für sie ist der große Flüssigkeitsmangel im Körper durch die Brechdurchfälle: „Der Arzt sollte dann informiert werden.“

Auch Martin G. rief den Hausarzt an: „Er gab unseren Kindern etwas gegen die Übelkeit, damit sie die Flüssigkeit nicht gleich wieder erbrechen.“ Auch wichtig: Erkrankte sollten versuchen zu schlafen, sich nicht unnötig anzustrengen und den Kontakt mit anderen Personen zu meiden. „Hin und wieder können Elektrolyt-Ersatzlösungen helfen“, sagt Otten, der auch auf leicht verdauliche Nahrung verweist: „In dieser Situation darf man auch mal etwas kräftiger salzen.“ Antibiotika machen übrigens keinen Sinn: Sie sind gegen Noroviren bislang unwirksam.

Neben den medizinischen Maßnahmen ist vor allem eins gefragt: Hygiene. Toilette reinigen und desinfizieren, Hände gründlich mit Seife waschen. Auch die (Bett-)Wäsche und Handtücher sollten häufiger gewechselt und bei mindestens 60 Grad gewaschen werden.

Nach der Ansteckung bricht die Erkrankung innerhalb von zwei 2 bis 3 Tagen aus. In dieser Zeit sind die Erkrankten hoch ansteckend. Etwa zwei Tage nach Abklingen der Symptome mindert sich das Ansteckungsrisiko. „Der Arzt weiß, wann man wieder ´unter Menschen´ darf, denn es kann auch  zwei Wochen oder in Einzelfällen noch länger dauern.“ Bei Noroviren gelten zudem die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes. Kinder unter 6 Jahren dürfen Schulen oder Kindergärten vorübergehend nicht besuchen.

Sich selbst kann man vor einer Erkrankung nicht vollständig schützen: „Gründliche Handhygiene, insbesondere nach jedem Toilettengang sowie vor der Zubereitung von Speisen und vor dem Essen sollten so oder so selbstverständlich sein.“