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Familienfreundliche Personalpolitik: Mehr als ein Teilzeitangebot für berufstätige Mütter

Fachkräfteallianz auf dem Weg zur „Neuen Vereinbarkeit“ - Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist wichtiger denn je: Unternehmen setzen daher auf mehr Flexibilität, um Mitarbeiter zu binden oder neue zu gewinnen. Das war auch Gegenstand beim Netzwerktreffen der Fachkräfteallianz Mayen-Koblenz in Mendig.

Der Konsens für eine flexible familienbewusste Arbeitsgestaltung ist gewachsen. Es gibt messbare Fortschritte bei der Müttererwerbstätigkeit und der Wahrnehmung von Familienaufgaben durch Väter. Zudem gibt es ein tieferes Verständnis zur Pflege. Auch partnerschaftliche Arbeitsteilung ist heute keine Frage mehr. Von der „Neuen Vereinbarkeit“ sprach  Sabine Weigel. Sie ist Auditorin für das Zertifikat von der  berufundfamilie GmbH, das Betrieben Familienfreundlichkeit bescheinigt. „Wir begegnen heute in der Arbeitswelt ganz unterschiedlichen Wertvorstellungen, je nach Alter und Lebensphase wo man steht“, so Weigel. „Darauf muss man sich im Arbeitsleben einstellen. Während die Veteranen zuerst Arbeit und dann das Vergnügen sahen, gab es für die Generation der Baby-Boomer nur Beruf oder Familie. Dies ist heute anders in der Generation der Individualisten und im digitalen Zeitalter.“ Durch gesellschaftliche Veränderungen habe die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine zentrale Bedeutung erlangt. Die „Neue Vereinbarkeit“ ziele auf die Modernisierung der Arbeitskultur hin zu einer familienbewussten Arbeitszeitgestaltung für Frauen und Männer in verschiedenen Lebensphasen. Sie soll den Beschäftigten mehr Optionen bei der Arbeits- und Lebensgestaltung geben und deren Wünsche mit betrieblichen Erfordernissen in Einklang bringen.

Wie das gelingen kann, berichtete Malte Tack, Geschäftsführer der Vulkanbrauerei. Obwohl Gastronomiebetrieb, trotz Schicht- und Wochenendarbeitszeiten, schafft man es,  familienfreundliche Rahmenbedingungen zu bieten. Er stellte ein Zeitmanagement vor, das bei der Vielfalt der Generationen im Unternehmen attraktiv ist: Mitarbeiter können mit einer App Wunscharbeitszeiten eintragen oder auch Zeiten blocken, an denen sie nicht arbeiten können. Sie sehen, wie viele Mitarbeiter für eine Schicht benötigt werden und wer sonst in ihrer Schicht arbeitet und können damit auch im Team Zeiten einteilen. Auch Wochenendarbeitszeiten sind durchaus begehrt, da finanzielle Zuschläge winken. Carla Dortmann von der Zahnarztpraxis Dr. Dortmann erläuterte, wie sie für jungen Mitarbeiterinnen ein Angebot der Kindertagespflege im Betrieb umgesetzt hat. So sind junge, gut ausgebildete Mitarbeiterinnen früher an den Arbeitsort zurückgekehrt und es bedurfte keiner befristeten Einstellung neuer Mitarbeiterinnen. „Sie bringen ihre Kinder mit und geben sie guten Gewissens in die Hände einer kompetenten Tagesmutter, die maximal fünf Kinder gleichzeitig betreut.“ Sind Plätze frei, können diese von anderen Unternehmen genutzt werden. Unterstützt wurde das Projekt von der Kindertagespflege der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz.

Petra Weinand, w²trend Friseure, bietet für Unternehmen ein  Coaching für Wiedereinsteigerinnen und Auszubildende im Umgang mit Kunden an. Sie blickt auf langjährige praktische Erfahrungen zurück und weiß, um die Nöte von Frauen, die lange Zeit nicht berufstätig waren, bei den ersten Kontakten mit Kunden. Unkonventionell und praxisnah die Scheu nehmen, lautet das Ziel. Justina Mai vom Sanitätshaus Wittlich bietet Mitarbeitern Hilfe an, wenn Angehörige aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen werden: Oftmals kommt der Entlassungszeitpunkt kurzfristig und die Angehörigen sind mit der unmittelbaren Organisation der Pflege überfordert. Den Service des „Entlassmanagments“ will man nun auch anderen Unternehmen anbieten - damit Arbeitnehmer nicht längere Zeit ausfallen, um die Pflege ihrer Angehörigen zu organisieren.

Dr. Martin Fislake von der Uni Koblenz stellte mit seinen Uni-Technik-Feriencamps Betreuungsangebote für Mitarbeiterkinder vor. Die Ferienbetreuung kann in den Räumen des Arbeitgebers angeboten und ganz individuell angeboten werden. Eine Kooperation mehrere Unternehmen macht sowohl für kleine als auch für größere Unternehmen Sinn, da ein Unternehmen alleine diese Plätze nicht belegt. Viele Institutionen und Unternehmen nutzen bereits das Angebot. Die Sparkasse Koblenz kooperiert mit der Kreisverwaltung  Mayen-Koblenz, auch die Firma Weig und die Firma Ontex arbeiten mit anderen Institutionen in Mayen zusammen.

Weitere Informationen und Unterstützungsangebote gibt es auf der Homepage der Fachkräfte-Allianz www.fachkraefteallianz-myk.de oder der bei der Projektbeauftragten Lea Bales, E-Mail: .