Der Erste Kreisbeigeordnete Burkard Nauroth begrüßte rund 100 Teilnehmer zum Fachtag „Gewalt in engen sozialen Beziehungen im Kontext Migration“

Gewalt in Familien mit Migrationshintergrund

Fachtag der Kreisverwaltung für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe - Bei der Unterstützung von Geflüchteten nach ihrer Ankunft in Deutschland nehmen ehrenamtliche Helfer eine herausragende Rolle ein und stoßen dabei auf zahlreiche Probleme. Bei einer Fachveranstaltung stand der richtige Umgang mit Gewalt in Familien mit Migrationshintergrund im Fokus.

Wie erkenne ich Gewalt? Was kann ich in der akuten Situation tun? Was sollte ich auf jeden Fall vermeiden? - Fragen, auf die viele Menschen keine Antwort wissen, wenn sie mit Gewalt konfrontiert werden. „Uns erreichen immer wieder Anrufe von Ehrenamtlern, die von Gewalt in den von ihnen betreuten Familien berichten aber nicht wissen, wie sie tätig werden sollen“, berichtet der Flüchtlingskoordinator der Kreisverwaltung, Michael Kock. „Die nächstliegende Möglichkeit wird meistens vergessen: die Polizei verständigen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Beratungsstellen wie den Frauennotruf, das Jugendamt oder auch den Kinderschutzbund. Es fehlt oft schlichtweg an der Information, an wen man sich wenden kann.“ Diesen Informationsmangel nahm die Kreisverwaltung zum Anlass, das Thema aufzugreifen und ehrenamtliche Helfer und Hauptamtler in einer Fachveranstaltung im Umgang mit Gewalt zu schulen. Dass Bedarf besteht, bewiesen die rund 100 Teilnehmer, die der Erste Kreisbeigeordnete Burkard Nauroth bei der Unfallkasse in Andernach begrüßen durfte: „Familiäre Gewalt ist keineswegs ein Thema, dass nur auf bestimmte soziale Bereiche beschränkt ist oder nur Menschen mit Migrationshintergrund betrifft. Dennoch gibt es Besonderheiten, die zu beachten sind.“ Nauroth leitete die Fachvorträge und Diskussionsrunden ein, bei denen sich die Teilnehmer, über die unterschiedlichen Formen von Gewalt und deren Hintergründe zu informierten und sich zu Beispielen aus der Praxis austauschten. „Bei einer Familie, die neu nach Deutschland kommt, ist es häufig so, dass die Kinder schneller die deutsche Sprache lernen als ihre Eltern. Auch die Mutter ist gezwungen, sich zu öffnen, um zum Beispiel Schulbücher zu besorgen. Oft lernt der Vater am langsamsten, hat Angst seine Familie zu verlieren und kompensiert diese Angst mit Gewalt“, schilderte Frau Charifi, Sprach- und Kulturmittlerin im Sozialdienst Katholischer Frauen, eine migrationstypische Ursache für Gewalt. Doch es muss nicht immer der gewalttätige Vater sein. Auch Fälle, in denen zum Beispiel die Mutter ihre Tochter schlägt, weil sie sich weigert, ihr Kopftuch zu tragen, wurden in der Runde diskutiert.

Nauroth betonte die Bedeutung der Veranstaltung: „Das ehrenamtliche Engagement ist eine wertvolle und unentbehrliche Ergänzung der hauptamtlichen Arbeit im Bereich der Flüchtlingshilfe. Das Ehrenamt braucht aber auch Begleitung und Qualifizierung, um nachhaltig arbeiten zu können und um den Erfolg des Engagements zu sichern.“