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Mayen-Koblenz schaut auf jedes Dorf

Dorferneuerung und Pflegestrukturplanung bieten Gemeinden fachübergreifend Unterstützung für das „Wohnen im Alter“ an - Die Gesellschaft wird älter. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit der Frage, wo und wie sie im Alter leben möchten. Die Mehrzahl möchte im Heimatort bleiben und in der gewohnten Umgebung alt werden. Das führt dazu, dass viele Gemeinden neben dem Ausbau der Infrastruktur für Kinder nun auch Projekte für Senioren in den Fokus rücken. Das Thema „Wohnen im Alter“ nimmt sowohl in der Dorferneuerung als auch in der Pflegestrukturplanung des Landkreises eine zentrale Rolle ein und wird bei der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz fachübergreifend beleuchtet. So arbeiten Sozialabteilung und das Referat für Kreisentwicklung und Dorferneuerung eng und intensiv zusammen.

Ausgangspunkt sind die sogenannten Dorfmoderationen, die von der Dorferneuerung begleitet werden. Ziel der Dorfmoderationen ist es, die Bürger stärker in die Entwicklung des eigenen Dorfes einzubinden. Sie sollen ermutigt werden, Mitverantwortung für ihr Dorf zu übernehmen und an der örtlichen Entwicklung aktiv teilzunehmen. Im Landkreis Mayen-Koblenz haben schon fast 40 Gemeinden eine Dorfmoderation durchgeführt. „Das Leben im Alter spielt bei den Gesprächen eine besonders große Rolle. Die klare Mehrheit möchte im Alter zu Hause wohnen“, erklärt Alois Astor, der Referatsleiter der Dorferneuerung. Viele Bürger signalisieren sogar ihre Bereitschaft, sich in Mehrgenerationen- oder Seniorenwohnprojekten zu engagieren.

Nach der Dorfmoderation erfolgt die fachliche „Übergabe“ von der Dorferneuerung an die Pflegestrukturplanung. Sie versucht im Dialog mit den Gemeinden die spezifischen Wünsche und Anforderungen sowie Potentiale des jeweiligen Ortes zu präzisieren. „Wir erleben, dass sich immer mehr Gemeinden in Mayen-Koblenz aus ganz unterschiedlichen Ausgangssituationen und Motivationslagen heraus mit dem Thema Wohnen im Alter beschäftigen. Das ist gut so, das ist wichtig und wir als Landkreis begrüßen das ausdrücklich“, so der Erste Kreisbeigeordnete Burkhard Nauroth, in dessen Geschäftsbereich bei der Kreisverwaltung die Pflegestrukturplanung angesiedelt ist. „Es besteht nach rheinland-pfälzischem Recht ein gesetzlicher Auftrag, Pflegestrukturplanung zu betreiben. Und diesen Auftrag nehmen wir sehr gerne an“, so Nauroth weiter. Die Kreisverwaltung nimmt im Wesentlichen eine moderierende Rolle ein. Denn es besteht keine Befugnis, über neue Angebote zu entscheiden, sie einzufordern oder sie gar zu verhindern.

 „Oftmals werden wir gefragt, welche Modelle der Landkreis empfiehlt. Aber es gibt leider keine Pauschallösungen für altersgerechtes Wohnen und wir können aus den Planungen einer Gemeinde keine Blaupause für andere Gemeinden erstellen. Es gibt immer eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten. Wir schauen auf jedes Dorf und überlegen ganz individuell, welches Konzept in welche Gemeinde passt“, erklärt der Erste Kreisbeigeordnete. 15 Gemeinden haben das Angebot der Pflegestrukturplanung schon genutzt oder befinden sich aktuell in der Beratung.

Es werden die unterschiedlichen Wohnformen, vom Seniorenheim über die Wohn- und Pflegegemeinschaft und das Wohnen mit Service bis hin zum gemeinschaftlichen Wohnen vorgestellt. Keine der Wohnformen wird durch die Kreisverwaltung bevorzugt oder abgelehnt. Die Modelle sollen den Menschen im Kreisgebiet eine flächendeckende Auswahlmöglichkeit bieten und in ihrer Vielfalt in unterschiedlichen Größen und Trägerschaften vorhanden sein. „Einzig die Tagespflege ist ein Angebot, das gegenüber anderen Formen in den Vordergrund gerückt wird und für das der Kreis werben will. Diese besitzt das Potential, die familiäre Lebensstruktur länger aufrechtzuerhalten: „In der Woche erfolgt tagsüber eine Strukturierung unter Gleichgesinnten und in der übrigen Zeit findet ein normales Familienleben statt“, erläutert Burkhard Nauroth.

In die Beratung der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz fließen auch die verschiedenen Finanzierungsformen und mögliche Kosten für den pflegebedürftigen Menschen ein. „Natürlich muss der Landkreis auch jeweils schauen, welche finanziellen Auswirkungen sich für die Sozialhilfe und damit für den Kreishaushalt ergeben können. Das ist aber ganz sicher nicht erste Prämisse. Vielmehr wollen wir sehr verantwortungsvoll für eine gute, gelingende und gedeihliche Zukunft der älteren Menschen sorgen“, betont Nauroth. Sowohl Gemeinden als auch Anbieter, Investoren und Einzelpersonen werden seitens der Pflegestrukturplanung beraten und im Prozess begleitet. Für den Landkreis ist es besonders wichtig, durch die Städte, Verbands- und Ortsgemeinden möglichst frühzeitig in die Planungen eingebunden zu werden. Nur so kann eine echte und ergebnisoffene Beratung und Abstimmung erfolgen. Der Landkreis möchte allen Akteuren ein konstruktiver Gesprächspartner sein.

„Es geht darum, Hand in Hand mit den Akteuren vor Ort zu arbeiten – zum Wohl und Nutzen der älteren Menschen in ihren Heimatorten“, so der Erste Kreisbeigeordnete. Die Kreisverwaltung ist froh, dass in den Gemeinden Prozesse angestoßen werden, die die Themen Alter, Wohnen und soziale Teilhabe bis hin zur Pflege mit in den Blick nehmen. Wenn sich die älteren Menschen oder auch ihre Angehörigen erst mit dieser Frage auseinandersetzen, wenn die Pflegebedürftigkeit schon tatsächlich eingetreten ist, schränkt das die Auswahlmöglichkeiten  deutlich ein.