Burkhard Naurtoh: „Das System ist eine Erfolgsgeschichte“

Burkhard Nauroth: „Das System ist eine Erfolgsgeschichte“

Weniger Gebühren und bessere Müllqualität dank neuem Abfallwirtschaftskonzept - Vor zweieinhalb Jahren wurde das neue Abfallwirtschaftskonzept des Landkreises Mayen-Koblenz umgesetzt. Der Erste Kreisbeigeordnete Burkhard Nauroth, im Kreishaus zuständig für die Kreislaufwirtschaft und Verbandsvorsteher des Abfallzweckverbandes Rhein-Mosel-Eifel (AZV), zieht Bilanz und zeigt sich hochzufrieden.

Herr Nauroth, wenn Sie das Abfallwirtschaftssystem mit einem Satz beurteilen müssten – wie würde dieser lauten?

Ganz klar: Das System ist eine Erfolgsgeschichte.

Sehr selbstbewusst. Und woran machen Sie den Erfolg fest?

Die Zahlen, aber auch die Bürger bestätigen uns diesen Erfolg. Wir dürfen zu recht selbstbewusst sein, denn wir haben in den vergangenen Jahren eine sehr gute Arbeit geleistet. Aber noch viel wichtiger ist: Die Bürger haben das System angenommen und ermöglichen dadurch erst diesen Erfolg.

Was meinen Sie damit genau?

Dadurch, dass die Mayen-Koblenzer ihren Müll sauberer trennen, ist die Menge des in der Entsorgung teuren Restabfalls drastisch gesunken, nämlich von 194 Kilo pro Einwohner auf heute 102 Kilogramm pro Einwohner und von insgesamt 40.300 Tonnen auf 21.500 Tonnen pro Jahr. Damit gehören wir aktuell zu den Top 5 in Rheinland-Pfalz. Und wir wollen noch besser werden. Vor der Umstellung sah das noch ganz anders aus. Natürlich geben Kreisverwaltung und AZV das System vor und bestimmen die Rahmenbedingungen. Doch die Bürger sind es, die das System mit Leben füllen und durch ihr Trennverhalten erst eine so positive Entwicklung ermöglicht haben.

Ergibt sich der Erfolg des Systems nur aus der Senkung des Restabfalls?

Nicht nur daraus. Weniger Restabfall bedeutet im Gegenzug auch, dass sich die Mengen des Bio- und Papierabfalls deutlich erhöhen. Der Abfall landet heute in den richtigen Abfallbehältern und wir können sagen, dass alle Abfallarten „reiner“ geworden sind. Beim Bioabfall können wir diese „Reinheit“ sehr gut nachvollziehen, da der eingesammelte Biomüll auf der Deponie direkt gesiebt wird. Der Vorteil daran ist, dass gut sortierter Bioabfall kostengünstiger und stofflich werthaltiger genutzt werden kann.

Und auch von der größeren Menge Papierabfall profitieren Bürger und Verwerter gleichermaßen. Die Bürger erhalten eine Gutschrift, wenn sie die Tonne zur Abfahrt bereitstellen und gleichzeitig haben wir eine große Menge des sehr wertvollen Papiermülls. Man muss sich vor Augen führen, dass deutschlandweit über 70 Prozent des Altpapier-Abfalls recycelt werden.

Was konkret hat der Bürger von seinem sauberen Mülltrennen?

Ganz einfach: Die Bürger aus Mayen-Koblenz, die ihren Müll trennen, sparen seit der Umstellung bares Geld. Und das ist nicht nur eine Hand voll. Für rund 80 Prozent der Haushalte ist es deutlich günstiger  geworden.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man seinen Abfall sauber trennt und die Restmülltonne wirklich nur zur Abholung bereitstellt, wenn sie voll ist. Die allermeisten Bürger haben das System schon hervorragend verinnerlicht, sehen das Mülltrennen als selbstverständlich an und kommen super mit dem neuen System zurecht.

Woran machen Sie die Zufriedenheit fest?

Zum einen natürlich an vielen persönlichen Gesprächen und den Rückmeldungen, die wir bekommen. Aber auch belegbare Zahlen bestätigen uns die Zufriedenheit: Bei der letzten Hauptabrechnung wurden rund 70.000 Bescheide verschickt. Das ist wirklich eine Menge. Es gab aber trotz dieser Anzahl so gut wie keine Widersprüche und vor allem deutlich weniger als vor der Systemumstellung. Die Bescheide sind transparent und werden akzeptiert – wahrscheinlich auch, weil es für die meisten Bürger günstiger und nachvollziehbarer geworden ist.

Das hört sich tatsächlich nach einer Erfolgsgeschichte an. Also alles gut und das war es jetzt?

Mit dem aktuellen Stand sind wir wirklich sehr zufrieden. Ich denke aber nicht, dass man bei einem Mammutprojekt dieser Größenordnung jemals von einem Abschluss sprechen kann. Ein System, das jeden einzelnen der rund  213.000 Einwohner im Landkreis betrifft, wird und muss immer dynamisch bleiben. Wir werden immer wieder nachjustieren, wo es erforderlich ist, und unser System im Sinne der Bürger und der Umwelt weiterentwickeln.

Gilt das auch für die Gebühren?

Die Gebühren unterliegen unter anderem auch Marktentwicklungen. Genau deshalb müssen wir innovativ, ökologisch und ökonomisch handeln. Aktuell befinden wir uns in intensiven Gesprächen für den nächsten Kalkulationszeitraum vom 2019 bis 2021. Wir sind guter Dinge, dass wir die Gebühren auf einem niedrigen Niveau halten können.

Sie sind nicht nur als Erster Kreisbeigeordneter im Kreishaus für die Kreislaufwirtschaft zuständig. Sie sind auch Verbandsvorsteher des Abfallzweckverbands. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des AZV?

Die ist schon enorm und sehr gut. Der alte Deponiezweckverband mit seinen 21 Mitarbeitern hat sich zu einem mit vielfältigen Aufgaben betrauten Entsorgungsdienstleister mit aktuell 106 Mitarbeitern entwickelt, der bundesweit wahrgenommen wird. Der Wertstoffhof ist bereits heute der größte der Region. Die Bürger nehmen die dortigen Entsorgungsmöglichkeiten hervorragend an. Wir sprechen immerhin von 100.000 Anlieferungen pro Jahr, ein hervorragender Wert. Mit unseren Erfahrungen, die wir mit der Entwicklung des AZV und des Systems gemacht haben, sind wir heute gefragter Ansprechpartner für Kommunen aus ganz Deutschland.

Doch wahrscheinlich geben Sie sich auch damit nicht zufrieden, oder?

Richtig. Auch auf diesen Erfolgen ruhen wir uns nicht aus. Unser Ziel ist es, den Standort in Ochtendung immer weiter zu einem der modernsten Abfallwirtschaftszentren der Republik zu entwickeln.  Dazu stehen in einem nächsten Schritt vor allem organisatorische Änderungen auf unserer Agenda. AZV und Kreislaufwirtschaft arbeiten heute schon hervorragend zusammen. Um diese Zusammenarbeit noch weiter zu optimieren und Synergien zu nutzen, ist der Umzug der Kreislaufwirtschaft vom Kreishaus in Koblenz nach Ochtendung geplant. Unser Ziel, die Stärkung des gemeinsamen Arbeitens sowie die Verbesserung von Struktur, Aufbau, Qualität und Effektivität treiben wir damit weiter aktiv voran.