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Strategien für starke Kommunen entwickeln

Landkreis startet Pilotprojekt mit Hochschule Koblenz - Der Kreisausschuss des Landkreises Mayen-Koblenz hat grünes Licht für den Start eines Pilotprojekts mit der Hochschule Koblenz gegeben. Am Beispiel der Vordereifelgemeinde Nachtsheim sowie der Stadt Bendorf sollen neue Impulse für die Entwicklung ländlicher Regionen gesetzt werden. So werden in fachübergreifender Zusammenarbeit der Fachrichtungen Architektur, Bauingenieurwesen und Sozialwissenschaften mithilfe von Analysen zur Wirtschafts-, Sozial- und Siedlungsstruktur strategische Handlungsansätze gewonnen, die im nächsten Schritt umgesetzt werden können. Dazu Landrat Dr. Alexander Saftig: „Die beiden Kommunen wurden gemeinsam mit der Hochschule ausgesucht. Eine steht repräsentativ für den ländlich geprägten Raum und die andere für ein Stadtgebiet. Wir versprechen uns, dass viele Erkenntnisse auf vergleichbar strukturierte Kommunen im Landkreis übertragbar sein werden.“ Professor Peter Thomé ist Inhaber der Innovationsprofessur „Strategien ländlicher Räume“ und leitet das auf sechs Monate angelegte Projekt. Die Gesamtkosten sind mit insgesamt 32.000 Euro veranschlagt.

Nicht nur in Mayen-Koblenz, sondern bundesweit ist der demografische Wandel in vollem Gange. Auch wirtschaftsstrukturelle Veränderungen von Industrie und Einzelhandel hin zur digitalisierten Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft sind aktuelle gesellschaftliche Megatrends. Sie stellen die Kommunen flächendeckend vor große Herausforderungen. Vor allem kleinere Gemeinden im ländlichen Raum stehen im ständigen Wettbewerb mit den Ballungsgebieten. Sie müssen sich als attraktiver Standort zum Leben und Arbeiten präsentieren, um nicht sind von Abwanderung, Funktionsverlust und Leerstand betroffen sein. Für den Landrat steht fest: „Wir wollen starke Gemeinden in einem starken Landkreis Mayen-Koblenz. Deshalb unterstützen wir sie aktiv bei der Bewältigung der Herausforderungen. Das gilt für den allgemeinen Bereich der Kreisentwicklung, in der Dorferneuerung und Städtebauförderung, der Schulentwicklungsplanung, der DSL-Erschließung und nicht zuletzt bei der Sicherung der ärztlichen Versorgung.“

Auf der Basis einer breiten Recherche mit Auswertung von statistischen Daten und Kartenmaterial soll beim neuen Projekt eine Fokusanalyse in den beiden Projektgemeinden Nachtsheim und Bendorf erarbeitet werden. Der Wirtschaftsförderer des Landkreises Henning Schröder erklärt dazu: „Aufbauend auf die Studie sind in der Folge ein öffentlicher Bürgerworkshop sowie vertiefende studentische Projekt- und Seminararbeiten vorgesehen, welche die Ergebnisse aufgreifen und praxisnah weiterentwickeln Zum Abschluss werden die Ergebnisse öffentlich präsentiert, um eine Rückkopplung zwischen örtlicher Praxis und Lehre zu gewährleisten.“

Wie in Nachtsheim, so wirkt sich der demografische und soziale Wandel besonders stark auf die Gemeinden abseits größerer Zentren aus. Je kleiner die Gemeinde, desto schwieriger sind in der Regel die Rahmenbedingungen: Bevölkerungsrückgang, steigendes Durchschnittsalter, Verlust von Infrastrukturen und sozialem Zusammenhalt, funktionale und bauliche Defizite in den Ortskernen, Leerstand. „Doch nicht überall treffen diese Szenarien gleichermaßen ein. Die Bevölkerungsentwicklung verläuft relativ kleinräumig und differenziert. Um die aktuellen Entwicklungen nachvollziehen, verstehen und Strategien für die Zukunft vorbereiten zu können, bedarf es deshalb einer Betrachtung auf lokaler Ebene“, weiß Henning Schröder. Man müsse die konkreten Stärken einer Gemeinde identifizieren und dann damit die vorhandenen Defizite ausgleichen.

Klein- und Mittelstädte wie Bendorf haben andere Herausforderungen zu bewältigen als der ländlich geprägte Raum. Ihnen kommt die Aufgabe zu, als Stabilisatoren in den Regionen zu wirken. Dabei sehen auch sie sich von strukturellen Problemen betroffen. So macht sich in vielen Innenstädten das veränderte Einkaufs- und Freizeitverhalten der Konsumenten bemerkbar, Geschäfte und Wohnungen stehen leer und das Zentrum verliert an Lebendigkeit und Bedeutung. Ehemals bevorzugte Lagen können innerhalb weniger Jahre an Wohnqualität einbüßen und sich nach und nach zu weniger attraktiven Standorten entwickeln. Gleichzeitig wachsen Neubaugebiete an den Rändern, um die nachgefragte Wohnqualität mit privaten Freiflächen oder ausreichend Stellplätzen zu erzielen, die den zentralen Lagen fehlt. „Gerade im städtisch geprägten Raum gilt es, den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Stadtgesellschaft sowie die Integration von Neuzugezogenen zu bewältigen“, so Schröder.