Ein dickes Fell für das Tierwohl

Amtstierärzte werden immer wieder Opfer von Gewalt und Beleidigungen - Um sich selbst zu schützen, müssen die Tierärzte des Veterinäramtes der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz immer wieder Kontrollen abbrechen und sich zurückziehen, weil die Situation zu eskalieren droht. „Der Ton ist rauer geworden“, bestätigt Thomas Brunnhübner.  Zusammen mit seinen Mitarbeitern überwacht der Referatsleiter des Veterinäramtes im Landkreis und in der Stadt Koblenz Betriebe mit landwirtschaftlicher Tierhaltung, Tiertransporte oder Zirkusbetriebe. Den größten Teil der Arbeit machen aber Kontrollen gegen Verstöße in der privaten Tierhaltung aus. Und gerade dort ist das Konfliktpotenzial hoch, betont Brunnhübner. Da sich die Zahl der Fälle von Beleidigungen und körperlicher Gewalt in der Vergangenheit deutlich erhöht hat, werden solche Fälle vom Veterinäramt nun unverzüglich zur Anzeige gebracht.

Besonders belastend sind diese Situationen für Tierärzte. Ihr oberstes Ziel ist es, zu helfen, Mängel zu vermeiden und Tierleid zu lindern und abzustellen. Nicht selten werden ihnen dafür vehemente Beleidigungen an den Kopf geworfen. „In Situationen freundlich zu bleiben, in denen nicht einmal der kleinste Funke menschlichen Respekts der Gegenseite entgegengebracht wird, ist oft nicht leicht. Wenn unsere Mitarbeiter am Ende selbst strafrechtlich angezeigt werden und regelmäßig dem Vorwurf des Amtsmissbrauches ausgesetzt sind, verlangt das extrem viel Kraft ab“, sagt Brunnhübner.

Immer häufiger erfahren die Tierärzte im Außendienst äußerst starke Ablehnung. Gerade wenn ein Tier wegen schlechter Haltungsbedingungen weggenommen oder beschlagnahmt werden muss, geht es meist nicht mehr ohne die Hilfe der Polizei. Die ersten Anzeichen für solche Fälle gibt es meistens schon bei der persönlichen Vorstellung. „Oft wird direkt zu Beginn die Kontrolle verweigert und wir Tierärzte werden mit Beleidigungen und drohenden Gesten des Grundstücks verwiesen“, berichten Dr. Simone Nesselberger und Michaela Schmitt, Tierärztinnen des Kreisveterinäramtes, die solche Situationen selbst schon oft erlebt hat.

Für die Halter rückt das Tierwohl bei den geschilderten Fällen in den Hintergrund. Es drehe sich häufig nur darum zu erfahren, von wem man „angeschwärzt“ wurde. „Für Hinweise zum eigenen Verhalten und eigenen Pflichten sind die Ohren dann schon verschlossen“, sagt Nesselberger. Auch das Thema Eigenverantwortung der Tierhalter sorgt für Simone Nesselberger und ihre Kollegen für Unverständnis. „Wenn Sie wollen, dass ich mit meinem Tier zum Tierarzt gehe, dann sorgen Sie dafür, dass ich dorthin gelange“, ist ein Satz, der nicht erst einmal gefallen ist.

Oft entwickelt sich auch erst im Verlauf des Gesprächs der Unmut der Kontrollierten. Mit einer Großzahl an Personen sei es nicht möglich, Mängel zu besprechen, da sie sich bereits durch kleine Hinweise persönlich angegriffen fühlen und schnell sind wieder persönliche Beleidigungen an der Tagesordnung. „Dabei ist Beleidigung nicht gleich Beleidigung“, sagt Brunnhübner. „In der Vergangenheit hat sich die Wortwahl dramatisch verschlimmert. In den schlimmsten Fällen werden die Tierärzte massiv persönlich beleidigt, die weiblichen Mitarbeiter sogar immer häufiger auf sexueller Grundlage.“ Neben verletzenden Aussagen kommt es auch immer häufiger zu tätlichen Angriffen – vom Schubsen bis zum Türen in den Rücken knallen ist die Liste lang. Selbst wenn Mitarbeiter zu zweit kontrollieren oder das Ordnungsamt diese begleitet, kommt es immer wieder zu solchen Vorfällen.

Um sich selbst zu schützen, brechen Mitarbeiter und Ordnungskräfte die Kontrollen regelmäßig ab und ziehen sich zurück. Wie bei einer jüngsten Zirkuskontrolle geschehen, hilft selbst das meists nichts: „Wir haben schnell gemerkt, dass die Situation jeden Moment eskalieren kann, und haben deshalb die Kontrolle abgebrochen. Das hat die Kontrollierten in keinster Weise davon abgehalten von uns abzulassen. Erst unter Hinzuziehung mehrerer Polizisten konnte die Situation dann entschärft werden“, sagt Nesselberger. Da sich die Zahl der Fälle von Beleidigungen und körperlicher Gewalt in der Vergangenheit deutlich erhöht haben, werden solche Fälle vom Veterinäramt nun unverzüglich zur Anzeige gebracht.


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