Landkreise Mayen-Koblenz und Cochem-Zell wollen gefährdeten Mosel-Apollofalter retten

2021-06-22

Der Mosel-Apollofalter ist einer der schönsten und seltensten heimischen Tagfalter, den es nur an der Mosel gibt. Leider ist der Schmetterling akut vom Aussterben bedroht: In dem eng umgrenzten Verbreitungsgebiet zwischen Winningen und Bremm ist der Bestand des Mosel-Apollos dramatisch von noch knapp 2.000 Exemplaren im Jahr 2015 auf lediglich rund 100 Falter im Sommer 2020 gesunken. Aus diesem Grund setzen sich die Landkreise Mayen-Koblenz und Cochem-Zell gemeinsam mit den örtlichen Kommunen, den Winzern in der Region und mit finanzieller Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz aktiv für den Erhalt des Mosel-Apollos ein. Bei einem Besuch der Projektflächen auf dem Rosenberg oberhalb von Kobern-Gondorf haben Landrat Dr. Alexander Saftig und Anke Beilstein, Erste Beigeordnete des Landkreises Cochem-Zell, jetzt den offiziellen Zuwendungsbescheid in Höhe von rund 160.000 Euro durch die rheinland-pfälzische Umweltministerin Anne Spiegel überreicht bekommen.

„Dieses überaus bedeutsame Projekt zur Erhaltung des Apollo-Falters, könnte ohne zusätzliche finanzielle Mittel nahezu unmöglich umgesetzt werden. Ein großer Dank gilt daher dem Land Rheinland-Pfalz, das die Maßnahmen aus der Aktion Grün unterstützt“, sagte Landrat Dr. Alexander Saftig. Den Dankesworten schloss sich Anke Beilstein an und zeigte sich zuversichtlich, dass man durch die gemeinsame Zusammenarbeit dem Mosel-Apollo beste Voraussetzungen bieten werde, um wieder vermehrt an der Mosel heimisch zu sein.

Umweltministerin Anne Spiegel lobte ausdrücklich das beispielhafte Engagement der beiden Landkreise und aller Beteiligten. „Der Apollofalter ist eine faszinierende Schmetterlingsart, deren Erhalt zum Schutz der Artenvielfalt in Rheinland-Pfalz von besonderer Bedeutung ist. Auch durch den Klimawandel droht der endgültige Verlust dieser Spezies, die hier im unteren Moseltal beheimatet ist. Die Landkreise Cochem-Zell und Mayen-Koblenz haben deshalb ein wichtiges Rettungsprojekt für den Mosel-Apollo gestartet, mit dem sie sich vorbildlich für den Erhalt dieser weltweit einzigartigen Schmetterlingsart engagieren“, sagte Anne Spiegel in die Runde, zu der unter anderem auch SGD-Nord-Präsident Wolfgang Treis, SGD-Nord-Vizepräsident Prof. Dr. Martin Kaschny sowie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bruno Seibeld, Ortsbürgermeister Michael Dötsch und Winzer Martin Dötsch gehörten.

Da der Erhalt des Mosel-Apollos eine Aufgabe sei, die Geduld, Zusammenarbeit und die Bereitstellung finanzieller Mittel erfordere, sicherte der Präsident der SGD Nord den Kreisverwaltungen Mayen-Koblenz und Cochem-Zell auch weiterhin fachlich Unterstützung zu. „Die von den Kreisverwaltungen vorgesehenen Maßnahmen sind wichtig und richtig, um die Voraussetzungen für das Überleben des Mosel-Apollos zu schaffen. Allerdings sind sie keine Garantie dafür, dass es wirklich gelingt“, sagte Wolfgang Treis. Umso wichtiger sei es, weitsichtig zu handeln, nach möglichen Ausweichquartieren zu suchen und eine Erhaltungszucht durchzuführen. „Und eben dieses vorausschauende Handeln ist in dem vorgelegten Konzept bereits vorgesehen. Ich bin optimistisch, dass wir diese Aufgabe letztlich gemeinsam lösen werden.“ 

Wie es gelingen kann, den Mosel-Apollo zu retten, der zu den streng geschützten Arten nach dem Bundesnaturschutzgesetz gehört und in der „Roten Liste der Schmetterlinge von Rheinland-Pfalz“ als vom Aussterben bedrohte Art eingestuft ist, erläuterte der Biotopbetreuer für den Landkreis Mayen-Koblenz, Biologe Jörg Hilgers. Die Maßnahmen lassen grob in die vier Bereiche Datenerhebung, Freistellungsarbeiten, Verbesserung des Nahrungsangebotes und Suche nach Ausweichlebensräumen gliedern: Da es bislang keine systematischen und vertiefenden Untersuchungen nach einheitlichen Methodenstandards gab, laufen derzeit umfangreiche Erfassungen mit dem Ziel, die Maßnahmen zur Rettung des Falters zu optimieren. Dort, wo der Mosel-Apollo noch fliegt, so führte Hilgers weiter aus, sind im Winterhalbjahr 2021/2022 Freistellungsmaßnahmen geplant. Denn insbesondere das Freistellen der Hänge und Steillagen fördere das Wachstum der Fetthenne – die Futterpflanze der Raupe. „Die Trockenheit der vergangenen Jahre sowie die starke Verbuschung der Flächen haben dazu geführt, dass das Nahrungsangebot des Mosel-Apollo erheblich geschrumpft ist. Aus diesem Grund werden zusätzlich zu den Offenhaltungsmaßnahmen mit Hilfe der Winzer die Futterpflanzen des Apollos angepflanzt. Hierzu gehört unter anderem die Skabiosen-Flockenblume“, sagt der Biologe und betont, dass man sich je nach Ergebnis der besagten Datenerhebung aber nicht nur auf die bisherigen Lebensräume des Apollofalters versteifen dürfe und möglicherweise auch die Eignung der kühleren Seitentäler der Mosel als Lebensraum in Betracht ziehen müsse.

 

Hintergrund:

Das Aktionsprogramm zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie „Aktion Grün“ hat das Ministerium für Kilmaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität 2017 gestartet. Seither hat es rund neun Millionen Euro Fördermittel bereitgestellt. In weit mehr als 100 Naturschutzprojekten gemeinsam mit Kommunen, Gesellschaft und Partnerinnen und Partnern aus Naturschutz und Landwirtschaft wird mit der „Aktion Grün“ der Erhalt der Artenvielfalt in Rheinland-Pfalz gesichert und gefördert. Um die gemeinsamen Ziele zu erreichen, soll die „Aktion Grün“ künftig weiterentwickelt werden. Das Programm soll dann unter anderem auch für die naturnahe Gestaltung lebenswerter Innenstädte und Dörfer sowie den Aufbau regionaler Naturschutzstationen genutzt werden. Weitere Infos zum Landesprogramm „Aktion Grün“ sind abrufbar unter: www.aktion-gruen.de

In diesem Internet-Angebot werden Cookies verwendet. Mit der weiteren Nutzung dieser Seite erklären Sie sich damit einverstanden. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.