MYK-Krisenstab bereitet sich auf möglichen Energieausfall vor

Aufgrund der Energiekrise rüstet sich die Kreisverwaltung Mayen-Koblenz für eine eventuelle Gasmangellage oder einen möglichen großflächigen Stromausfall. Bereits seit Wochen werden dafür im Verwaltungsstab mögliche Szenarien bewertet und Pläne geschmiedet. „Es geht darum, im Ernstfall vorbereitet zu sein und auf mögliche Ereignisse reagieren zu können“, betont Landrat Dr. Alexander Saftig. Im Verwaltungsstab werden daher drei mögliche Szenarien betrachtet, die die Aufmerksamkeit der Verwaltungen erfordern:

Szenario 1: Aufgrund von Kostensteigerungen und/oder wegen der Abschaltung der Gasversorgung in Industriebetrieben könnten Güter des täglichen Bedarfs teurer oder gar zur Mangelware werden. Es könnten Störungen der gesellschaftlichen Ordnung drohen – von Demonstrationen, über gewaltsame Proteste, bis hin zu Plünderungen.

Szenario 2: Das Gas könnte – schlimmstenfalls mitten in einem sehr kalten Winter – so knapp werden, dass Privathaushalte oder auch Pflegeheime nicht mehr oder nur noch wenige Stunden am Tag mit Gas versorgt werden können. In diesem Szenario funktioniert die Stromversorgung noch.

Szenario 3: Im schlimmsten Fall könnte neben der Gasversorgung auch die Stromversorgung zusammenbrechen, und mit ihr auch die Informationsinfrastruktur. Dies könnte beispielsweise eintreten, wenn zu viele Verbraucher versuchen, die fehlende Wärme durch elektrische Heizgeräte zu kompensieren. Die Nachfrage nach Strom könnte dann nicht mehr gedeckt werden und das Stromnetz kollabiert. Verschärft werden könnte diese Situation durch die Abschaltung vieler Kraftwerke im In- und Ausland.

Kreis koordiniert Hilfeleistungen

Die Kreisverwaltung sensibilisiert die kreisangehörigen Kommunen, koordiniert Maßnahmen und verweist auf die landeseinheitlichen Vorgaben. „Die Städte und Verbandsgemeinden im Landkreis rüsten sich ebenfalls für den Ernstfall und machen dabei einen guten Job“, sagt Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Rainer Nell, „Da, wo die Gemeinden trotz ihrer Vorbereitungen im Ernstfall gar nicht mehr zurecht kommen, können wir – zwar nicht flächendeckend im gesamten Landkreis, aber vereinzelt punktuell – mit unseren eigenen Einsatzkräften als Landkreis der ,Joker‘ sein, der an entsprechender Stelle unterstützen kann“, erläutert der oberste Katastrophenschützer in Mayen-Koblenz. Sollte es zu einem der beschrieben Szenarien kommen, überwacht der Landkreis die Lage, erstellt Übersichten und Lagebilder, bewertet diese und koordiniert die Hilfeleistungen. Eine der wichtigsten Aufgaben ist auch die Meldung der Lage an das Land Rheinland-Pfalz. So kann von dort aus bei Bedarf überregional Hilfe koordiniert werden. „Als Katastrophenschützer werden wir zudem Sorge dafür tragen, dass eine krisenfeste und Stromnetzunabhängige Kommunikationsinfrastruktur geschaffen wird, über die zumindest die Einsatzkräfte der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr miteinander kommunizieren können“, sagt Rainer Nell.

Abseits des Katastrophenschutzes hat der Verwaltungsstab noch viele weitere Aufgaben der Kreisverwaltung im Blick, die in den beschriebenen Szenarien intensiver wahrgenommen werden müssen als im Alltag. Dazu zählen unter anderem die Sicherstellung der Aufgaben der Unterbringungsbehörde und des für den Landkreis und die Stadt Koblenz zuständigen Gesundheitsamtes sowie die Sicherstellung des öffentlichen Personennahverkehrs. „Allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung hilft es zudem, wenn möglichst viele Bürgerinnen und Bürger gut vorbereitet in eine solche mögliche Situation gehen“, sagt Landrat Dr. Saftig und appelliert zugleich an die Gesellschaft, gegenseitig auf sich Acht zu geben. „Unterstützen Sie sich im Ernstfall in der Nachbarschaft. Fragen Sie insbesondere die älteren unter Ihren Nachbarn, ob sie Hilfe oder Dinge des alltäglichen Lebens benötigen. Solidarisch können wir diese Krise meistern.“

Auch privat Vorsorge treffen

Den Appell des Landrates kann Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Rainer Nell nur unterschreiben und gibt Tipps, wie man sich als Privatperson auf eine eventuelle Gasmangellage oder einen möglichen Stromausfall vorbereiten kann. Denn je mehr Menschen in der Lage sind, sich einige Tage autark zu versorgen und zu verpflegen, desto mehr können sich die Katastrophenschützer im Fall der Fälle auf jene konzentrieren, die nicht allein zurechtkommen.  „Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat einen informativen Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen sowie eine Checkliste, die unter anderem bei der Ausstattung mit Getränken und Lebensmitteln hilft, herausgebracht“, berichtet Rainer Nell. Darüber hinaus, so der der oberste Katastrophenschützer im Landkreis weiter, sollten Menschen mit elektrisch betriebenen medizinischen Geräten die Frage klären, wie diese bei einem längeren Stromausfall noch weiter betrieben werden können. Auch bettlägerige Menschen mit einem Elektrobett sollten im Vorfeld klären, ob sich dieses auch manuell verstellen lässt oder mithilfe von Akkus oder dergleichen Vorsorge treffen, dass es auch bei einem Stromausfall noch elektrisch betrieben werden kann. 

Information

Die Broschüren des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe können im Internet unter www.kurzelinks.de/Notfallvorsorge heruntergeladen werden.

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