Frau mit Kopf auf Händen gestützt © Alex Motrenko/Fotolia

Gemeindenahe Psychiatrie

Mit dem Landesgesetz für psychisch kranke Personen (PsychKG) wurde Mitte der neunziger Jahre in Rheinland-Pfalz die Grundlage für eine umfassende Reform für die Betreuung und Versorgung psychisch kranker Menschen geschaffen. In einer Schrift zur Umsetzung der Gemeindepsychiatrie heißt es: "Die Qualität gemeindepsychiatrischer Versorgung entscheidet sich an der Frage, wie sich die Lebenssituation der chronisch psychisch kranken Menschen verbessert und wie Langzeitkranke in der Gemeinde leben können. Hierzu müssen sich die bestehenden Versorgungssysteme weiter entwicklen. Die institutionsbezogene Wahrnehmung soll der personenzentrierten Sichtweise bei der Lösung von Versorgungsproblemen weichen."  

  • Psychiatriereform in Rheinland-Pfalz

    Die Pychiatriereform hatte im Wesentlichen folgende Ziele:

    • Gleichstellung von psychisch und körperlich kranken Menschen
    • gemeinde- und wohnortnahe Versorgung, bei der die Hilfe zum Menschen kommt und nicht umgekehrt
    • bedarfs- und personenorientierte Betreuung statt einrichtungsorientierter Versorgung
    • Normalisierung der Lebensverhältnisse durch Einbeziehung von Betroffenen, Angehörigen und des sozialen Umfeldes

    Der Landesgesetzgeber hat eine politische Grundentscheidung für die Schaffung gemeindeintegrierter Hilfesysteme getroffen. Er überträgt die Planung und Koordinierung der Hilfen auf die Landkreise und kreisfreien Städte und wünscht den Aufbau gemeindepsychiatrischer Verbünde. Die Kommune muss also Verantwortung für ihre psychisch kranken Menschen übenehmen. Diesem Auftrag ist die Versorgungsregion Landkreis Mayen-Koblenz und Stadt Koblenz gefolgt.

  • Angebotsstruktur in der Versorgungsregion

    In der Versorgungsregion Mayen-Koblenz / Koblenz gibt es ein umfassendes Angebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Es lässt sich in vier große Gruppen unterteilen:

    • Selbsthilfe
    • ambulante Versorgung
    • teilstationäre und stationäre Versorgung
    • öffentlicher Gesundheitsdienst

    Diese Bereiche werden von allen Trägern der sozialen Sicherung getragen. Das bedeutet, Leistungen werden von der Krankenversicherung, der Rentenversicherung, der Arbeitsverwaltung oder der Sozialhilfe übernommen. Hinzu kommen Angebote, die für den Bürger kostenfrei sind. Für die Versorgungsregion Mayen-Koblenz / Koblenz gibt es in diesen vier Bereichen folgende Angebote:

    • Die Versorgung im Wege der Selbsthilfe erfolgt durch Gruppen von Betroffenen und Angehörigen. Im Gesundheitsamt Koblenz gibt es eine Kontaktstelle, die Informationen zu den Gruppen in der Region geben kann.
    • Ambulante Versorgung umfasst im Wesentlichen Haus- und Fachärzte, Psychotherapeuten, die Psychiatrische Institutsambulanz, die ambulante psychiatrische Pflege, Kontakt- und Informationsstellen sowie Betreutes Wohnen und vergleichbare offene Hilfen. Darüber hinaus gibt es viele Beratungsstellen, die sich auch um psychisch kranke Menschen kümmern. Die teilstationäre Versorgung setzt sich Tageskliniken, Tagesstätten und Werkstätten für behinderte Menschen zusammen.
    • Die stationäre Krankenhausversorgung übernehmen zwei psychiatrische Fachkliniken. Stationäre Wohnheimunterbringungen werden von verschiedenen Trägern angeboten. Zu deren Angebot gehören auch Außenwohngruppen oder Trainingswohnungen, die den Übergang in eine eigenständige Wohnform erleichtern sollen. 
    • Im Rahmen des öffentlichen Gesundheitsdienstes ist die Versorgung der psychisch kranken Menschen durch den gewährleistet. Darüber hinaus ist die Koordinierungsstelle für Psychiatrie Anlaufstelle bei allgemeinen Fragen zur Versorgungsstruktur.