Puzzleteil "Pflege" © Coloures-pic/Fotolia

Pflegestrukturplanung

Ein Schwerpunkt im Bereich der Sozialplanung im Landkreis Mayen-Koblenz ist zurzeit die Pflegestrukturplanung.  Die Landkreise und kreisfreien Städte sind nach dem Landesgesetz zur Sicherstellung und Weiterentwicklung der pflegerischen Angebotsstruktur verpflichtet, Pflegestrukturpläne für die ambulante, teilstationäre und pflegerische Versorgung zu erstellen und regelmäßig fortzuschreiben.  

  • Forderungen an die pflegerische Angebotsstruktur

    Im Landesgesetz zur Sicherstellung und Weiterentwicklung der pflegerischen Angebotsstruktur (in Paragraph 1 Absatz 2 LPflegeASG) werden acht Forderungen an die pflegerische Angebotstruktur gestellt:

    1. Die Angebotsstruktur soll sich an den Bedürfnissen der auf Hilfe angewiesenen Menschen und ihrer Angehörigen orientieren.
    2. Die Leistungen sollen ortsnah, aufeinander abgestimmt, kooperativ und unter berücksichtigung der Trägervielfalt erbracht werden.
    3. Der Zugang zu den Angeboten soll durch eine flächendeckende Beratungsstruktur sichergestellt werden.
    4. Die Angebotsstruktur ist unter Berücksichtigung der Grundsätze der Qualitätssicherung und der Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung sowie neuer Wohn- und Pflegeformen weiterzuentwickeln.
    5. Der Vorrang von Prävention und Rehabilitation ist zu berücksichtigen; auf eine Inanspruchnahme enstprechender Leistungen ist hinzuwirken.
    6. Dem Vorrang der ambulanten vor den stationären Leistungen soll durch die Weiterentwicklung entsprechender ambulanter Angebote wie Sozialstationen und weitere ambulante Pflegedienste und die Entwicklung sonstiger Angebote, die die auf Hilfen angewiesenen Menschen zu einer selbständigen und selbstbestimmten Lebensführung außerhalb von stationären Einrichtungen befähigen, Rechnung getragen werden.
    7. Unterschiedlichen geschlechts- oder kulturspezifischen Bedürfnissen von pflegebedürftigen Menschen soll im Rahmen der Leistungserbringung angemessen Rechnung getragen werden.
    8. Pflegende Angehörige, soziale Netzwerke und in der Pflege bürgerschaftlich engagierte Menschen sind zu unterstützen und in die Angebotsstrukturen einzubeziehen.

    (vergleiche: "Grundlagen zur Pflegestrukturplanung in Rheinland-Pfalz nach dem Landesgesetz zur Sicherstellung und Weiterentwicklung der pflegerischen Angebotsstruktur (LPflegeASG)" herausgegeben vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen des Landes Rheinland-Pfalz)

  • Kommunale Pflegestrukturplanung

    Die Anforderungen an eine kommunale Pflegestrukturplanung sind in Paragraph 3 LPflegeASG formuliert. Insbesondere sollen die Landkreise und kreisfreien Städte folgende Schritte einleiten:

    • Ermittlung des Bestands an vorhandenen Einrichtungen und Diensten (Was ist vorhanden?).
    • Überprüfen, ob ein qualitativ und quantitativ ausreichendes sowie wirtschaftliches Versorgungsangebot in den einzelnen Leistungsbereichen unter Berücksichtigung der Trägervielfalt zur Verfügung steht (Wo besteht Potential?).
    • Entscheiden über die erforderlichen Maßnahmen zur Sicherstellung und Weiterentwicklung der pflegerischen Angebotsstruktur (Was ist zu tun?).


    (vergleiche: "Grundlagen zur Pflegestrukturplanung in Rheinland-Pfalz nach dem Landesgestz zur Sicherstellung und Weiterentwicklung der pflegerischen Angebotsstruktur (LPflegeASG)" herausgegeben vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen des Landes Rheinland-Pfalz)

    Die regionale Pflegekonferenz des Landkreises Mayen-Koblenz hat 2011 eine Arbeitsgruppe gebildet. Diese bearbeitet zur zeit Fragen wie "Was ist vorhanden?" und "Wo besteht Potential?".

  • Pflegestrukturlandkarte

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  • Aktuelles Modellprojekt: Kompetenzzentrum Oberfell - Villa Ausonius

    Die Ortsgemeinde Oberfell und Projekt 3 gGmbH (gemeinnützige Gesellschaft, Träger im Bereich der Alten- und Behindertenhilfe) kamen eigeninitiativ auf den Landkreis zu und haben Interesse bekundet, beim Modellprojekt mitzuwirken. Der Landkreis hat sich entschieden, das Projekt mit beiden Akteuren durchzuführen, da zusammen eine erfolgreiche Umsetzung zu erwarten war.

    Das von der Ortsgemeinde Oberfell und Projekt 3 entwickelte Konzept für ein „Kompetenzzentrum Oberfell“ wurde aufgrund des demographischen Wandels und des Verfalls der herkömmlichen Familienstrukturen entwickelt. Es berücksichtigt die Tatsache, dass eine wachsende Zahl der Seniorinnen und Senioren nicht mehr über ein stabiles Familiennetzwerk oder soziales Netzwerk verfügt. Das Angebot richtet sich in erster Linie an die Bewohner aus der Ortsgemeinde Oberfell sowie aus umliegenden Orten in der Verbandsgemeinde Untermosel. Unter einem Dach sollen folgende Leistungen angeboten werden:

    • Wohnen in Wohngemeinschaften,
    • Tagespflege/ Tagesbetreuung,
    • Betreuung über Nacht,
    • Beratung,
    • ambulante Pflegeleistungen,
    • Versorgung im nichtpflegerischen (hauswirtschaftlichen) Bereich. 

    Wie es dazu kam
    Der Landkreis ist gesetzlich verpflichtet, eine Pflegestrukturplanung durchzuführen und diese regelmäßig fortzuschreiben. Zur Unterstützung der Kommunen hatte das Land ein Modellprojekt „Pflegestrukturplanung in Rheinland-Pfalz“ initiiert. Dieses umfasste einen kommunalen Datenreport und die Durchführung eines beteiligungsorientierten Projektes.

    Der Landkreis Mayen-Koblenz wurde neben 9 anderen Landkreisen und kreisfreien Städten als Modellkommune ausgewählt und sicherte sich damit die Begleitung des Planungsprozesses durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen Rheinland-Pfalz und eine Projektförderung des Landes. Das Modell Kompetenzzentrum Oberfell ist das beteiligungsorientierte Projekt des Landkreises Mayen-Koblenz im Rahmen seiner Teilnahme als Modellkommune.

    Wer ist beteiligt?
    Projektträger ist der Landkreis Mayen-Koblenz als Modellkommune. Initiatoren sind die Ortsgemeinde Oberfell und Projekt 3  (gemeinnütziger Träger der Altenhilfe). Unterstützt wurden die drei Akteure von AGPAlter. Gesellschaft. Partizipation.Institut für angewandte Sozialforschung Freiburg (Evangelische Hochschule Freiburg). Für Moderation und Mitarbeit engagierte der Landkreis das Büro Hicking in Altenahr.

    Ziele

    • Ausbau der Hilfen im Vor- und Umfeld der Pflege als Ergänzung der professionellen Pflege modellhaft in einer begrenzten Region des Landkreises
    • Kurz- und mittelfristig: Sensibilisierung aller Akteure und der Bürger für eine Kultur der nachbarschaftlichen kleinräumigen Hilfe füreinander und Verantwortung für den Nächsten
    • Langfristig: Aufbau eines funktionierenden Netzwerkes im Sinne eines ausgewogenen Hilfe-Wohlfahrts-Mix und Ausbau der Struktur mit ähnlichen Projekten im gesamten Landkreis 
    • Erfahrungen aus dem Beispiel des Modells nutzen                                                                                                                                                   


    Damit soll ermöglicht werden, dass

    • die Seniorinnen und Senioren auch bei Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld verbleiben können und somit ein Umzug vermieden wird,
    • Eigenleistung der Angehörigen oder engagierter Bürger ermöglicht oder verstärkt wird,
    • haushaltsnahe Dienstleistungen bezahlbar bleiben durch Finanzierungs- und Eigenleistungs- Mix.


    Aufgaben der Modellkommune Mayen-Koblenz

    • Bürgerbeteiligung ermöglichen
    • Koordination
    • Dokumentation
    • Öffentlichkeitsarbeit
    • Einbindung in die Pflegestruktur des Landkreises/ Netzwerkarbeit

    Projektverlauf
    Im Herbst/ Winter 2008 wurde von der Ortsgemeinde Oberfell, dem Träger Projekt 3 und der Kreisverwaltung MYK der Initiativkreis/ Projektkreis gebildet. Er hatte die Aufgabe, den Projektverlauf flexibel und an die Bedürfnisse der Bürger angepasst zu planen sowie konkrete Aktionen vorzubereiten und durchzuführen.

    Die Auftaktveranstaltung fand am 06.02.09 in der Mosella- Halle Oberfell statt. Im Vorfeld wurden 130 Personen persönlich geladen sowie Flyer verteilt und Plakate aufgehängt. 400 Personen und Vertreter der örtlichen Presse besuchten die Auftaktveranstaltung. Der Landrat des Landkreises Mayen- Koblenz sowie der Erste Kreisbeigeordnete sprachen Grußworte und nahmen an der Veranstaltung teil. Diese diente zur Information über das Modellvorhaben und ermöglichte eine erste Ideensammlung mit den Bürgern gemeinsam.

    Aus dieser Veranstaltung entwickelten sich die Themen („Leben und Wohnen“ und „Soziales Engagement“) für 2 Workshops, die im Mai  (08.05. und 12.05.09) durchgeführt wurden.                                                                                                                                                               
    In dem Workshop "Leben und Wohnen" wurden Fragen bezüglich der Wohnform, Finanzierung, räumlichen Ausstattung und Angebotsstruktur des Kompetenzzentrums und mögliche Kooperationen mit Diensten, Einrichtungen und Vereinen der Gemeinde angesprochen.                                                                                                                                                                                                                     Der zweite Workshop hatte das "Soziale Engagement" der Bevölkerung in Oberfell zum Thema. Es wurde angesprochen, welche Bürger was in welchem Umfang leisten können und wollen. Außerdem wurde diskutiert, wie diese ehrenamtlich Tätigen unterstützt werden können, beispielsweise durch Fortbildungen oder Kooperationen mit anderen Diensten und Einrichtungen.

    Im Anschluss an diese beiden Workshops wurden die Bürger aus Oberfell mittels eines Fragebogens zu ihren Wünschen und Vorstellungen befragt. 500 Fragebögen wurden in Oberfell verteilt, die in zwie Rubriken unterteilt waren:                                                                                        

    1. Fragen an potentielle Bewohner und Fragen an Oberfeller, die in ihrem Haus bleiben möchten                                                                 
    2. Fragen an pflegende Anghörige.                                                                                                                                                                          
    Die Ergebnisse flossen maßgeblich in die Planung mit ein.

    Außerdem fand eine Exkursion in eine stationäre Altenhilfeinrichtung statt. Über ein ähnliches Projekt wie das Kompetenzzentrum Oberfell, informierte sich der Initiativkreis vor Ort und konnte wichtige Anregungen für die Umsetzung gewinnen.

    Abschlussveranstaltung
    Am 29. Juni 2010 fand die offizielle Abschlussveranstaltung des „Kompetenzzentrums Oberfell“ in der Mosella-Halle in Oberfell statt. Rund 200 Besucher/innen, vorrangig Bürgerinnen und Bürger aus Oberfell und den angrenzenden Nachbargemeinden, kamen um sich das Ergebnis des einjährigen Prozesses anzuhören. Der Planungsprozess war nun abgeschlossen und die Umsetzungsphase konnte beginnen. An diesem Abend wurde auch der künftige Name der Einrichtung bekannt gegeben: „Villa Ausonius – Bürgerzentrum für Menschen im Alter“. Der Name basiert auf einem Vorschlag aus dem Bürgerbeteiligungsprozess. Er wurde ausgewählt, weil er den Beteiligten aufgrund des regionalen Bezugs zum so genannten Ausonius Stein als außerordentlich passend erschien. Die „Villa Ausonius“ sollte folgende Leistungen anbieten: Wohnen mit Service, Pflegewohngemeinschaften, Tagespflege / Tagesbetreuung, Betreuung über Nacht, Beratung, ambulante Pflegeleistungen, Versorgung im nicht-pflegerischen (hauswirtschaftlichen) Bereich. Der geplante Gebäudekomplex umfasst zwei Gebäudeeinheiten: zehn behinderten gerechte Wohnungen und Büroräume für den ansässigen Pflegedienst sowie eine Begegnungsstätte und zwei ambulant geführte Wohngemeinschaften für jeweils 12 Menschen. Weiterhin werden Arbeitsplätze vor Ort geschaffen. Neben den Fachkräften für den ambulanten Pflegedienst werden auch so genannte Alltagsbegleiter beschäftigt. Die Alltagsbegleiter sind im nicht-pflegerischen Bereich tätig. Sie unterstützen die Bewohner bei den alltäglichen Dingen, wie Einkaufen, Kochen oder im hauswirtschaftlichen Bereich.

    Wie wurde das Projekt nun in die Tat umgesetzt?
    Eine wichtige Säule des Projekts ist der Oberfeller Bürgerverein. Dieser soll ehrenamtliche Dienste innerhalb, aber auch außerhalb, der Einrichtung koordinieren. Er nutzt die Erfahrungen der "Seniorenhilfe Altenkirchen", einem Bürgerverein mit ähnlichen Zielen, der 2008 gegründet wurde. Die Ehrenamtlichen fungieren im Oberfeller Bürgerverein als Bindeglied zwischen der Wohngemeinschaft und der Ortsgemeinde. Durch ihren Einsatz können die Kosten für die künftigen Bewohner der „Villa Ausonius“ gesenkt werden. Die Gründungsversammlung des Bürgervereins hatte eine große Resonanz, ihm gehörten zwei Jahre nach Gründung bereits mehr als 200 Menschen an.. 45 Mitglieder hatten sich sofort als aktive Helferinnen und Helfer gemeldet.  Wer Mitglied werden oder noch weitere Informationen zum Oberfeller Bürgerverein einholen möchte, kann sich gerne an den Vorsitzenden, Herrn Gottfried Thelen, wenden.

    Kontaktadresse:

    Bürgerverein Oberfell e.V.
    Koblenzer Weg 55
    56332 Oberfell

    Telefon 02605 / 9627555.

    Internet: http://www.projekt-3.de/standorte/villa-ausonius/

    Nach Klärung vieler konzeptioneller Fragen der Form der Zusammenarbeit und der erfolgreichen Suche nach einem geeigneten Grundstück war Spatenstich im November 2012 . Die  "Villa Ausonius" wurde im Oktober 2014 eröffnet. Der Bürgertreff entwickelte sich zum Anlaufpunkt , die Geschäftsstelle des Bürgervereins zog vom Gemeindebüro dorthin um und die ersten Bewohner zogen in die Mietwohnungen und in die beiden Wohngruppen ein.