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Sechsteilige Beitragsreihe zum Naturschutzprojekt "Raubwürger"
Teil 1 - Alarmstufe Rot für den Raubwürger in der Eifel
Der Raubwürger braucht Ihre Hilfe in der Eifel. Unsere letzten Brutvorkommen liegen verstreut - wir wollen Offen- und Halboffenflächen aufwerten und vernetzen. Dafür suchen wir Flächen – gern auch Teilflächen! – in der Eifel (LK Vulkaneifel, Mayen-Koblenz, Eifelkreis Bitburg-Prüm).

SZYMONBARTOSZ.PL, © SZYMON BARTOSZ AdobeStock_551311555
Er ist kaum größer als eine Amsel, trägt eine markante „Zorro-Maske“ – und steht in Rheinland-Pfalz vor dem Verschwinden: der Raubwürger (Lanius excubitor). Einst weit verbreitet, ist die Art vom Aussterben bedroht. Ohne gezielte Lebensraummaßnahmen droht der Verlust als Brutvogel im ganzen Bundesland.
Wo gibt es ihn noch?
Die letzten bekannten Brutvorkommen konzentrieren sich in der Eifel. Viele Reviere liegen derzeit auf sogenannten Kalamitätsflächen im Wald – Windwürfe, Dürre oder Borkenkäfer haben dort vorübergehend offenes Gelände geschaffen. Doch mit der natürlichen Wiederbewaldung schließen sich diese Flächen wieder – und gehen dem Raubwürger als Jagd- und Brutgebiet verloren.
Warum ist das kritisch?
Raubwürger leben in festen Revieren und bleiben ihr ganzes Leben in diesem Gebiet. Damit gelten die Vögel als standorttreu und nutzen in ihrem Lebensraum relativ große Reviere von etwa 40–90 Hektar. Verschwindet ein Revier, schwächt das nicht nur das betroffene Brutpaar, sondern die gesamte lokale Population. Neuansiedlungen finden bevorzugt in der Nähe bestehender Vorkommen statt – genau deshalb ist es so wichtig, die verbliebenen Gebiete zu stabilisieren und in ihrem Umfeld geeignete Flächen zu entwickeln. Was hier beim Raubwürger sichtbar wird, steht exemplarisch für viele Arten unserer Kulturlandschaft: Wenn Lebensräume schrumpfen und voneinander isoliert werden, verschwinden ganze Artengemeinschaften.
Was braucht der Raubwürger?
Sein idealer Lebensraum ist offen bis halboffen: extensiv genutztes Dauergrünland, Weiden mit Einzelbäumen, Hecken und anderen Strukturelementen, von denen aus er auf Beute „ansitzt“. Er zählt als Leitart artenreicher, halboffener Kulturlandschaften – Maßnahmen für ihn helfen gleichzeitig Arten wie Neuntöter, Braunkehlchen sowie Baum- und Wiesenpieper.
Was passiert, wenn wir nichts tun?
Die Fachleute sind sich einig: „Ohne Konzept und Umsetzung geeigneter Maßnahmen besteht das Risiko, dass der Raubwürger als Brutvogel in RLP ausstirbt“ sagt der Ornithologe Dr. Christian Dietzen bei der Staatlichen Vogelschutzwarte Rheinland-Pfalz. Und weiter: „Darum arbeitet ein Projektkonsortium daran, Lebensräume im Nahbereich der Restvorkommen wiederherzustellen – mit Fokus auf Grünland und funktionale Strukturen wie Sitzwarten, Hecken und Brachstreifen. Ziel ist, bestehende Vorkommen zu sichern, Lebensräume zu vernetzen und eine Rückverlagerung aus den Wald-Ersatzlebensräumen zurück in die ursprünglich bewohnte Kulturlandschaft anzustoßen.“
Wer steht hinter dem Projekt?
Für das Projektgebiet entwickeln die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (SNU) und die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e. V. (GNOR) gemeinsam ein Maßnahmenpaket zum Erhalt des Raubwürgers – mit dem Ziel, bis Sommer 2026 eine tragfähige Kulisse und bewilligte Maßnahmen zu erreichen.
Wussten Sie schon?
- Viele der geplanten Schritte verbessern nicht nur den Artenschutz, sondern auch Boden- und Wasserrückhalt der Landschaft – etwa durch Extensivierung und Heckenstrukturen.
- Für eine lebensfähige Population braucht es großflächige, extensiv genutzte Bereiche – Naturschutz auf Landschaftsebene.
Teil 2 - Hecken, Weiden, Sitzwarten – ein Lebensraum wie ein Puzzle

Manfred Stöber, © Manfred Stöber AdobeStock_1109635483
Der Raubwürger braucht Ihre Hilfe in der Eifel. Unsere letzten Brutvorkommen liegen verstreut - wir wollen Offen- und Halboffenflächen aufwerten und vernetzen. Dafür suchen wir Flächen – gern auch Teilflächen! – in der Eifel (LK Vulkaneifel, Mayen-Koblenz, Eifelkreis Bitburg-Prüm).
Guter Raubwürger-Lebensraum ist ein Mosaik aus offenem Grünland, Ansitzstrukturen und Futterquellen – alles nah beieinander.
Das Grundgerüst: Offen- und Halboffenland
Der Raubwürger jagt bevorzugt in extensiv genutztem Dauergrünland und auf Weiden. Entscheidend ist: ausreichend Sicht und Durchlässigkeit. Zu dichte Gehölze nehmen ihm die Jagdchancen; reine Äcker liefern zu wenig Beute. Ideal sind Wiesen/Weiden mit eingestreuten Strukturen – so bleibt der Boden erreichbar und die Nahrung (Insekten, Kleinsäuger, kleine Vögel) verfügbar.
Die „Puzzleteile“ im Detail
1) Sitzwarten – die Jagdtribünen
Einzelbäume, Hecken, Feldgehölze, Zäune oder höhere Zaunpfähle dienen als Ansitz. Von hier aus stößt der Raubwürger auf Beute. Fehlen Sitzwarten, verliert die beste Wiese an Wert. Erhalten, aufwerten, gezielt neu setzen!
2) Hecken & Einzelbäume – Struktur statt Wand
Gelichtete Hecken, Baumgruppen und Sträucher strukturieren die Fläche. Wichtig ist die Durchsicht: Überdichte Gehölze sollten ausgelichtet, Einzelbäume aber unbedingt erhalten werden.
3) Offenboden & „Kleinst-Lebensräume“
Offenbodenstellen, Stein- oder Totholzhaufen werden von der Sonne erwärmt und fördern Insekten, Reptilien und Kleinsäuger – also Beute. Solche Strukturpunkte sind kleine, aber wirksame Bausteine für die Nahrungskette.
4) Extensivnutzung statt Intensivdruck
Angepasste Mahd/Beweidung hält Flächen offen, lässt aber Blüten- und Insektenvielfalt zu. Pestizidfreie Flächen frei von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und mineralischem Stickstoffdünger sowie behutsame Mahd fördern eine reichere Nahrungsbasis.
Warum die Größe (und Nähe) zählt
Raubwürger sind standorttreu und belegen große Reviere – etwa 40–90 Hektar. Neuansiedlungen gelingen nahe bestehender Vorkommen. Darum konzentrieren wir uns bei der Projektplanung bevorzugt auf den Nahbereich der letzten Reviere in der Eifel, um dort geeignete Teilflächen zu funktionsfähigen Jagdlandschaften zu vernetzen.
Der Praxisplan auf einer Fläche
So wird aus einer „normalen“ Fläche ein Puzzle, das funktioniert:
- Sitzwarten sichern & ergänzen: Einzelbäume nicht entfernen; Zaunpfähle teils höher setzen; geeignete Heckenabschnitte stehen lassen.
- Hecken pflegen, nicht verdichten: Auslichten statt Aufstocken; Saumzonen erhalten; beerentragende Sträucher fördern.
- Grünland extensivieren: spätere erste Mahd, Mosaikmahd, Weide statt Vollumbruch; Pestizidverzicht.
- Strukturpunkte anlegen: kleine Offenbodeninseln, Stein-/Totholzhaufen, feuchte Senken unbewirtschaftet lassen.
- Störungen lenken: in der Brutzeit Wege zeitweise sperren oder Pufferzonen markieren – gerade in Reviernähe.
Viele dieser Schritte wirken über den Raubwürger hinaus: Neuntöter, Braunkehlchen, Wiesen- und Baumpieper profitieren ebenfalls. Zusätzlich verbessern Strukturelemente Bodenqualität (weniger Befahrung) und die Wasserrückhaltefähigkeit bei Starkregen.
Beispiel: Von der Weide zur Jagdlandschaft
- Eine 8–12 ha-Weide mit lockerem Heckenband wird ausgelichtet, Einzelbäume bleiben stehen.
- Zwei Steinlinsen und drei Totholzhaufen entstehen an sonnigen Saumlagen.
- Zaunabschnitte werden mit höheren Pfählen versehen – zusätzliche Sitzwarten.
- Optional: Die Nutzung wechselt auf Extensivbeweidung; Pufferzonen in der Brutzeit werden ausgeschildert.
Ergebnis: Höhere Beutedichte, bessere Erreichbarkeit – die Fläche „liest“ sich für den Raubwürger als ein großes, zusammenhängendes Revier-Puzzleteil.
Wo wir das besonders brauchen
Unser Fokus liegt im Nahbereich der letzten Brutvorkommen in den Landkreisen Vulkaneifel, Ahrweiler und Mayen-Koblenz – dort bringt jede passende Fläche sofort Verbundwirkung. Gemeinden, Kirchen und Privateigentümer sind ausdrücklich eingeladen geeignete Flächen zu melden und uns zu kontaktieren.
Teil 3 - Fünf Maßnahmen, ein Ziel: mehr Jungvögel
Der Raubwürger braucht Ihre Hilfe in der Eifel. Unsere letzten Brutvorkommen liegen verstreut - wir wollen Offen- und Halboffenflächen aufwerten und vernetzen. Dafür suchen wir Flächen – gern auch Teilflächen! – in der Eifel (LK Vulkaneifel, Mayen-Koblenz, Eifelkreis Bitburg-Prüm).

© Alain Guerrier AdobeStock_1794612813
Helfen Sie die Jagd- und Brutbedingungen des Singvogels zu verbessern – einfach, wirksam und auf Landschaftsebene – und leisten Sie so einen aktiven Betrag gegen die Biodiversitätskrise. Gemeinsam mit Fachleuten kommen wir auf Ihre Fläche, besprechen vor Ort geeignete Maßnahmen und setzen diese um – fachlich begleitet und für die Eigentümer und Eigentümerinnen komplett kostenfrei. Sie stellen die Fläche, wir kümmern uns um den Rest.
1) Sitzwarten sichern & ergänzen
Der Raubwürger jagt vom Ansitz. Damit er ausreichend Jagdmöglichkeiten findet, sichern und ergänzen wir auf Ihren Flächen geeignete Strukturen – etwa Einzelbäume, Heckeninseln, Feldgehölze, Zäune/Zaunpfähle. Wo Ansitze fehlen, stellen wir gezielt neue auf.
Wirkung: Mehr Ansitze = höhere Erfolgswahrscheinlichkeit bei der Jagd, kürzere Wege zum Nest, höherer Bruterfolg.
2) Hecken pflegen – Durchsicht statt Wand
Überdichte Gehölze werden ausgelichtet; Einzelbäume und beerentragende Sträucher bleiben stehen. So entstehen strukturreiche Saumzonen mit Sichtachsen – ideal zum Jagen, Rasten und zur Winternahrung.
Wirkung: Bessere Nahrungserreichbarkeit und ein vielfältiges Insekten- und Beuteangebot entlang der Saumzonen.
3) Grünland extensivieren
Wiesen und Weiden werden später und seltener gemäht bzw. extensiv beweidet; auf Pestizide und Dünger wird nach Möglichkeit verzichtet. Das hält Flächen offen und erhöht die Beutedichte (Insekten, Kleinsäuger).
Wirkung: Mehr Nahrung – nicht nur für den Raubwürger, sondern auch für Neuntöter, Braunkehlchen, Wiesen- und Baumpieper.
4) Kleine Strukturpunkte mit großer Wirkung
Wir legen Offenbodeninseln, Stein- und Totholzhaufen an. Diese Mikrohabitate werden von der Sonne erwärmt und fördern Insekten, Reptilien und Kleinsäuger – also Beute.
Wirkung: Höhere Nahrungsverfügbarkeit über die Saison
5) Störungen konsequent lenken
In Reviernähe richten wir Pufferzonen ein und sperren Wege zeitweise in der Brutzeit. So vermeiden wir häufige Störungen durch Freizeitnutzung, Maschinenverkehr oder Hunde.
Wirkung: Mehr Bruterfolg, weil Altvögel ungestört jagen und füttern können.
Warum das im Verbund gedacht werden muss
Ein Brutpaar braucht rund 0,5 km² extensiv genutzte, strukturreiche Fläche. Damit sich eine stabile Population entwickeln kann, müssen mehrere dieser Flächen in räumlicher Nähe zusammenwirken. Genau hier setzten wir an: Wir fördern Maßnahmen, die sich sinnvoll vernetzen – damit der Raubwürger in der Eifel wieder dauerhaft Fuß fassen kann.
Co-Benefits: Mehr als „nur“ Raubwürger
Die beschriebenen Schritte steigern die Biodiversität insgesamt – von Pflanzen und Insekten bis zu Leitarten der Halboffenlandschaft wie Neuntöter. Gleichzeitig profitieren Boden (weniger Befahrung) und Wasserhaushalt (besserer Rückhalt bei Starkregen).
So messen wir den Erfolg
Wir führen ein projektbegleitendes Monitoring durch: Bestände erfassen, Bruterfolg kontrollieren, Maßnahmen nachsteuern.
Teil 4 – Ihre Fläche hilft! So geht’s – schnell erklärt
Der Raubwürger braucht Ihre Hilfe in der Eifel. Unsere letzten Brutvorkommen liegen verstreut - wir wollen Offen- und Halboffenflächen aufwerten und vernetzen. Dafür suchen wir Flächen – gern auch Teilflächen! – in der Eifel (LK Vulkaneifel, Mayen-Koblenz, Eifelkreis Bitburg-Prüm).
Wir (die Stiftung Natur und Umwelt RLP und die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie RLP) suchen Offen- bis Halboffenland im Umfeld der letzten Raubwürger-Reviere in der Eifel (VG Vulkaneifel, VG Daun, VG Kelberg, VG Vordereifel). Besonders geeignet sind Dauergrünland, Weiden und Brachen außerhalb geschlossener Ortslagen – gern auch Teilflächen.
Angebote der Stiftung
- Kostenfreie Umsetzung: Planung, Maßnahmen und fachliche Begleitung werden finanziert (Ersatzzahlungen – zweckgebunden für Naturschutz).
- Individuelle Vorschläge passend zu Ihrer Fläche (z. B. Hecken auslichten, Sitzwarten erhalten/neu setzen, Extensivierung, kleine Strukturpunkte).
- Langfristige Perspektive: Vertragliche Vereinbarung zur Pflege der Fläche über 15 Jahre im Rahmen einer Nutzungsvereinbarung
So machen Sie mit – in 3 Schritten
1) Fläche melden
Schicken Sie uns Lage (Flurstück/Skizze oder Adresse), Größe, aktuelle Nutzung und ob Sie an einer Nutzungsvereinbarung oder dem Verkauf Ihrer Fläche interessiert sind. Ein kurzer Hinweis per Mail oder Telefon reicht.
2) Vor-Ort-Termin & Vorschläge
Wir prüfen Eignung und entwickeln maßgeschneiderte Maßnahmen direkt auf Ihrer Fläche – transparent und mit Ihnen abgestimmt.
3) Vereinbarung & Umsetzung
Nach Einigung setzen wir die Maßnahmen um – fachlich begleitet und finanziert.
Welche Flächen sind besonders geeignet?
- Grünland/Weiden mit Einzelbäumen, gelichteten Hecken, Zaunstrukturen (Sitzwarten).
- Brachflächen oder Randbereiche, an denen man Strukturpunkte (Offenboden, Stein-/Totholzhaufen) anlegen kann.
- Lagen nahe bestehender Vorkommen – hier bringen Maßnahmen sofort Verbundwirkung.
Was wird konkret gemacht?
- Hecken pflegen (Auslichten statt Verdichten), Einzelbäume erhalten, beerentragende Sträucher fördern.
- Sitzwarten sichern/neu anlegen (Einzelbäume, Feldgehölze, höhere Zaunpfähle).
- Extensive Nutzung von Grünland (angepasste Mahd/Beweidung), Pestizid- und Düngerverzicht.
- Strukturpunkte anlegen (Offenboden, Stein- & Totholzhaufen, feuchte Senken belassen).
Diese Schritte helfen nicht nur dem Raubwürger – auch Neuntöter, Braunkehlchen, Wiesen- und Baumpieper profitieren. Zusätzlich verbessern sie Bodenqualität und Wasserrückhalt der Landschaft.
Teil 5- Ersatzzahlungen wirken: Der Natur Gutes tun.
Der Raubwürger braucht Ihre Hilfe in der Eifel. Unsere letzten Brutvorkommen liegen verstreut - wir wollen Offen- und Halboffenflächen aufwerten und vernetzen. Dafür suchen wir Flächen – gern auch Teilflächen! – in der Eifel (LK Vulkaneifel, Mayen-Koblenz, Eifelkreis Bitburg-Prüm).

grzegorz sierocki, © AdobeStock_738968729
Klingt trocken, wirkt grün: Ersatzzahlungen sind zweckgebundene Gelder zur Verbesserung des aktuellen Zustands von Natur und Landschaft. Immer dann, wenn Eingriffe in Natur und Landschaft aus Sicht des Naturschutzes nicht vollständig ausgeglichen oder ersetzt werden können, kann dem Verursacher des Eingriffs durch die Genehmigungsbehörde eine Ersatzzahlung als sogenannte „Sonderabgabe“ auferlegt werden. Aus Vorschriften wird so ganz praktisch Lebensraum: Hecken, Sitzwarten, Extensivweiden, Strukturpunkte – genau die Bausteine, die der Raubwürger braucht.
Kurz erklärt: Was sind Ersatzzahlungen?
- Auslöser: Bei bestimmten Eingriffen in Natur und Landschaft (z. B. Bau-/Infrastrukturvorhaben) zahlt der Verursacher zusätzlich zur Kompensation durch Naturschutzmaßnahmen (als Ausgleich und Ersatz) einen Geldbetrag, damit sich die Gesamtbilanz von Natur und Landschaft nicht verschlechtert.
- Zweckbindung: Ersatzzahlungen dürfen ausschließlich in konkrete, wirksame und nachvollziehbare Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege fließen (z. B. Bewirtschaftungs-, Pflege-, Entwicklungsmaßnahmen), die Flächen dauerhaft in einen höherwertigen Zustand versetzen und erhalten.
Mehrwert für die Flächeneigentümer durch den Mitteleinsatz
- Übernahme lokaler Verantwortung: Sichtbarer, aktiver Beitrag gegen die Biodiversitätskrise – u. a. zum Erhalt der stark dezimierten Raubwürger-Population in Rheinland-Pfalz.
- Kostenneutral: Entwicklung des örtlichen Biotopverbunds (Trittsteinnetz für Arten) und attraktive Aufwertung des Landschaftsbildes bei Ihnen Zuhause.
- Rückfluss zweckgebundener Naturschutzgelder („Ersatzzahlungen“ aus regionalen Eingriffen wie Windenergieanlagen, Funkmasten) durch regionale Flächenbereitstellung – für ein bedeutendes, wirksames Projekt vor Ort.
- Langfristige Sicherheit: 15 Jahre naturschutzfachliche Pflege und Betreuung der Maßnahmenflächen in Verantwortung der Landesstiftung.
Für unser Projekt heißt das: Die Mittel fließen in funktionsfähige Jagd- und Brutlandschaften für den Raubwürger im Umfeld der letzten Vorkommen in der Eifel, von denen auch andere Arten wie Neuntöter, Braunkehlchen, Wiesen- und Baumpieper profitieren können
Der Weg des Geldes – transparent und greifbar
- Eingriff (z. B. Bauvorhaben) → Verpflichtung zum Ausgleich und Ersatz. Sofern dies nicht vollumfänglich möglich oder aufgrund der Art des Eingriffs gesetzlich vorgeschrieben ist, wird eine Ersatzzahlung im Zulassungsbescheid des Vorhabens festgesetzt.
- Ersatzzahlung wird an SNU abgeführt und verbucht und für geeignete Maßnahmen zweckgebunden vorgehalten – gemäß LNatSchG, LKompVO/LKompVzVO (12.06.2018). Weitere fachliche und organisatorische Vorgaben finden Sie in den „Naturschutzfachlichen Kriterien zur Verwendung von Ersatzzahlungen sowie Antrags- und Verwendungsverfahren".
- Projektplanung: Wir wählen Flächen und Maßnahmen, die messbar zum Artenschutzziel beitragen.
- Umsetzung, Entwicklung und Unterhaltung: Gehölzpflanzung, Heckenpflege, Sitzwarten, Extensivierung, Strukturpunkte, Lenkung von Störungen.
- Monitoring & Bericht: Wir kontrollieren Wirkung (z. B. Bruterfolg), dokumentieren Kosten & Ergebnisse, berichten an die zuständigen Stellen und justieren die Maßnahmen bei Bedarf nach.
Warum das verlässlich ist
- Zweckbindung: Jeder Euro ist an die faktische Verbesserung von Natur- und Landschaft gebunden.
- Zusätzlichkeit: Es wird zusätzlicher Schutz finanziert, nicht ohnehin zu erbringende Maßnahmen für Natur und Landschaft.
- Regionalität: Die Mittel bleiben in der vom Eingriff betroffenen Landschaft – hier: Eifel.
- Wirkungskontrolle: Maßnahmen werden vorab geprüft, begleitet und nachjustiert.
Was wir konkret finanzieren und umsetzen
- Heckenpflege „mit Durchblick“: Auslichten statt Verdichten, Erhalt von Einzelbäumen, Förderung beerentragender Sträucher.
- Sitzwarten sichern/neu setzen: Einzelbäume, Feldgehölze, höhere Zaunpfähle und geeignete Ansitzstrukturen.
- Extensivierung von Grünland: spätere und seltenere Mahd/Weidekonzepte, ohne Dünger und Pestizide.
- Strukturpunkte: kleine Offenbodeninseln, Stein- und Totholzhaufen, Saumbiotope; feuchte Senken unbewirtschaftet lassen.
- Lenkung von Störungen: zeitweilige Pufferzonen, Beschilderung in der Brutzeit.
- Monitoring & Pflege: Erfolgskontrollen, Nachpflege, ggf. Ergänzungen.
Nicht finanziert werden Standardunterhalt, Maßnahmen außerhalb der Zielkulisse oder ohne Bezug zum Artenschutzziel sowie bereits (teil-)öffentlich geförderte Vorhaben – keine Doppelförderung.
Für Flächeneigentümer:innen: Was bedeutet das?
- Keine Kosten: Planung, Umsetzung, Entwicklung, Unterhaltung und Monitoring übernimmt das Projekt.
- Freiwillige Teilnahme – rechtlich gesichert: Maßnahmen werden mit Ihnen abgestimmt. Der Flächenzugriff für Naturschutz wird jedoch für 15 Jahre über eine Nutzungsvereinbarung und eine beschränkt persönliche Dienstbarkeit zugunsten der Stiftung im Grundbuch gesichert.
- Langfristige Perspektive: Eine langfristige Sicherung über vertragliche Vereinbarung von 15 Jahren wird angestrebt.
Beispiel: Vom Ersatzzahlung zur Raubwürger-Fläche
Ausgangslage: 18 ha Dauergrünland mit Heckenband, teils verbuscht.
Einsatz der Ersatzzahlung:
- Pflege von 1,2 km Hecke (Auslichten, Erhalt Einzelbäume),
- Installation von Sitzwarten (höhere Zaunpfähle) entlang von Weiderändern,
- Anlage von 8 Strukturpunkten (Steinlinsen/Totholz),
- Umstellung auf Extensivbeweidung mit spätem Erstauftrieb,
- Beschilderte Pufferzonen während der Brutzeit,
- Regelmäßiges Monitoring und Nachpflege.
Ergebnis: bessere Jagdbarkeit, mehr Beute, kürzere Wege zum Nest – Ziel: höherer Bruterfolg und dauerhafter Lebensraumverbund.
Ihre Vorteile auf einen Blick
- Wertsteigerung der Landschaft: mehr Struktur, Biodiversität, Erholungseignung.
- Resilienz: Hecken und Extensivsaum puffern Starkregen, verbessern Bodenstruktur.
- Image & Gemeinschaft: Sichtbares Engagement – gut für Gemeinde und Region.
FAQ – die häufigsten Fragen
Muss ich selbst bezahlen?
Nein. Die Maßnahmen werden aus Ersatzzahlungen finanziert; die Stiftung übernimmt die Kosten der Grundbucheintragung und zahlt Ihnen einmalig als Aufwandserstattung 10 % des Bodenrichtwerts. Eigentumsnahe Abgaben (z.B. Steuern/Gebühren) verbleiben beim Eigentümer.
Wie lange bin ich gebunden?
15 Jahre per Nutzungsvereinbarung plus beschränkt persönliche Dienstbarkeit; eine Löschung ist nach Laufzeitende auf Antrag möglich, die entstehenden Kosten werden erstattet.
Gibt es Aufwand für mich?
Wir übernehmen Planung, Antrag, Maßnahmenkoordination und Monitoring – Sie geben Einverständnis und Zugang.
Und wenn meine Fläche klein ist oder ich nur einen Teil bereitstellen möchte?
Auch kleine Rand- und Saumbereiche (ca. 0,5 – 2 ha) wirken im Verbund deutlich; Teilflächen sind möglich.
Teil 6 - Zählen, schützen, vernetzen: Unser Weg zur stabilen Population
Der Raubwürger braucht Ihre Hilfe in der Eifel. Unsere letzten Brutvorkommen liegen verstreut - wir wollen Offen- und Halboffenflächen aufwerten und vernetzen. Dafür suchen wir Flächen – gern auch Teilflächen! – in der Eifel (LK Vulkaneifel, Mayen-Koblenz, Eifelkreis Bitburg-Prüm).
Eine Art bleibt nur dort, wo sie erfolgreich brütet und genug Lebensraum findet. Deshalb denken wir den Schutz des Raubwürgers dreigleisig: Zählen (Monitoring), schützen (Störungen minimieren, Lebensräume verbessern/pflegen) und vernetzen (Flächen zu Jagdlandschaften verbinden). So kann aus einzelnen Maßnahmen eine stabile Population wachsen.
1) Zählen – was wir wie erfassen
Brutpaare & Bruterfolg: Wir dokumentieren Reviere, Neststandorte (störungssensibel) und den Erfolg je Brut (ausgeflogene Jungvögel).
Nahrung & Struktur: Stichproben zu Beutedichte (Insekten/Kleinsäuger), Sitzwarten, Hecken-Durchsicht und Offenbodenanteil.
Raumnutzung: Karten zeigen, wo gejagt wird und welche Flächen als Trittsteine dienen.
Lerneffekt: Erkenntnisse fließen direkt in die Pflegeplanung ein – wir justieren nach, statt nur zu „bilanzieren“.
Datenschutz & Rücksicht: Brutplätze werden nicht veröffentlicht; Kontrollen erfolgen mit Mindestabstand, kurz und zielgerichtet.
2) Schützen – Störungen reduzieren, Pflege verstetigen
Brutzeit-Regeln: In Reviernähe richten wir Pufferzonen ein, informieren vor Ort und sperren Wege zeitweise.
Rücksicht in der Praxis: Abstimmung mit Landwirtschaft, Forst und Gemeinden (z. B. Mahdtermine, Weideführung, Wegesperrungen).
Pflege mit Augenmaß: Hecken auslichten, Einzelbäume erhalten, Sitzwarten sichern/ergänzen; Extensivnutzung statt Intensivdruck.
Nachpflege: Maßnahmen werden kontinuierlich geprüft – bei Bedarf nachsteuern (z. B. zusätzliche Sitzwarten, weitere Offenbodeninseln).
3) Vernetzen – vom Einzelbiotop zur Jagdlandschaft
Der Raubwürger braucht offene Sicht, Ansitzpunkte und Beute im Nahverbund. Deshalb:
- Trittsteine (Brachen, Saumstreifen, Stein-/Totholzhaufen) im Abstand, der Jagdflüge ermöglicht.
- Korridore entlang von Heckenbändern und Weiderändern statt isolierter „Inseln“.
- Nahe an bestehenden Revieren starten – hier hat Vernetzung sofort Wirkung.
- Gemeinsam planen: Kleine Teilflächen von Privat, Gemeinden oder Kirchen addieren sich zum funktionalen Mosaik.
Wie wir Erfolg messen – klare Indikatoren
- Bestand: mehr Reviere und Brutpaare in der Eifel.
- Bruterfolg: mehr ausgeflogene Jungvögel pro Brut.
- Flächenqualität: höhere Sitzwarten-Dichte, durchsichtige Hecken, Offenboden- und Saumanteile.
- Verbund: kürzere Distanzen zwischen geeigneten Puzzleteilen; neue Jagdrouten im Monitoring sichtbar.
- Begleitarten: auch typische Arten halboffener Landschaften wie Neuntöter, Braunkehlchen oder Wiesenpieper dienen als Indikatoren – Sie zeigen, ob die geschaffenen Lebensräume dauerhaft funktionieren, selbst wenn der Raubwürger als Leitart irgendwann verschwinden sollte
Meilensteine
Jetzt – Frühjahr 2026: Flächenakquise und Erstgespräche; Eignungschecks, Priorisierung, Entwürfe für Vereinbarungen. Keine Eingriffe im Gelände vor Projektstart – nur Beratung und Vorbereitung.
Ab Frühjahr 2026 (Projektstart): Laufzeit 15 Jahre. Aufbau Baseline-Monitoring, Detailplanung je Fläche, Genehmigungen.
Herbst/Winter 2026/27: Start erster Pflegemaßnahmen (Hecken auslichten, Sitzwarten ergänzen, Strukturpunkte anlegen) außerhalb sensibler Phasen.
Brutsaison 2027 ff.: Störungslenkung, kurze Kontrollen ohne Nest-Eingriffe; fortlaufende Wirkungskontrolle und Nachsteuerung.
2028–2031: Vernetzung zusätzlicher Teilflächen, Ausbau des Mosaiks; jährliche Auswertung und Transparenzberichte.
Bis 2041 (Projektende): Förderung stabiler bzw. wachsender Brutvorkommen des Raubwürgers und seiner Begleitarten durch dauerhaft gesicherte und gepflegte Lebensräume.
Wer mitzieht – und wie Sie helfen können
- Flächeneigentümer u. Eigentümerinnen: Von Teilflächen bis ganzen Flurstücken – wir werden auch auf Teilflächen aktiv, wenn sie geeignet sind.
- Gemeinden & Kirchen: Wegemanagement, Pufferzonen, Pflegefenster, Gemeindeflächen als Trittsteine.
- Land- & Forstbetriebe, Jagd, Ehrenamt: Termine abstimmen, Brutbereiche respektieren, Sichtachsen erhalten, Beobachtungen melden.
- Bildung & Öffentlichkeit: Infotafeln, Hof-/Amtsblatt, kurze Exkursionen außerhalb sensibler Phasen.
Mitmachen – konkret
Sie haben Grünland, Weide, Brachen oder Ränder in der Eifel? Melden Sie sich (siehe Teil 4): Meldung → Vor-Ort-Termin → Umsetzung – kostenfrei, fachlich begleitet. Jede Fläche zählt, besonders in Reviernähe.
Ausblick
Mit Zählen, Schützen, Vernetzen schaffen wir die Basis für mehr Jungvögel – und eine artenreiche Kulturlandschaft. Wir berichten regelmäßig über Fortschritte und Ergebnisse: Wo neue Sitzwarten stehen, welche Hecken gepflegt sind und wie sich Bruterfolg und Bestand entwickeln.
Sie haben Grünland, Weide oder Brachen in der Eifel (VG Gerolstein, VG Daun, VG Kelberg, VG Vordereifel) – oder können sich vorstellen Teilflächen davon einzubringen? Melden Sie sich: Sarah Rossi 06131 16-5580 sarah.rossi@snu.rlp.de. Rückmeldungen bis Mitte Januar 2026 helfen bei der Startplanung.
Diese Beiträge sind Teil der Reihe „Lebensräume für den Raubwürger – Schutz einer seltenen Art in der Eifel“. Weiterführende Informationen zum Projekt finden Sie hier: https://snu.rlp.de/projekte/raubwuerger



