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Rettung des Apollofalters wird fortgeführt

Die Weinbergsbrachen müssen regelmäßig nachgepflegt werden, damit sich die aus der Erhaltungszucht ausgesetzten Schmetterlingsraupen wohlfühlen. 

„Dieses überaus bedeutsame Projekt zur Erhaltung des Apollo-Falters könnte ohne zusätzliche finanzielle Mittel nahezu unmöglich umgesetzt werden. Ein großer Dank gilt daher der Sparkasse Koblenz, die die Maßnahmen der Stiftung für Natur und Umwelt finanziell unterstützt. Ich bin froh, dass wir bei der Rettung des Mosel-Apollos gemeinsam an einem Strang ziehen und so ein wichtiges Zeichen für den Naturschutz setzen“, sagt Landrat Dr. Alexander Saftig. 

Auch der Sparkasse Koblenz, die seit einigen Jahren verschiedene Naturschutzprojekte im Landkreis Mayen-Koblenz und im Stadtwald Koblenz fördert, ist es eine Herzensangelegenheit, das Projekt Mosel-Apollo mit den Spendengeldern zu unterstützen. „Als die Anfrage kam, auch das Mosel-Apollo-Projekt zu fördern, haben wir nicht lange überlegt. Denn ohne unsere finanzielle Hilfe stirbt der Mosel-Apollo möglicherweise aus. Dies möchten wir gemeinsam mit der Stiftung für Natur und Umwelt verhindern“, betont Matthias Nester, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Koblenz. Die Gelder wird die Stiftung Natur und Umwelt zur Weiterführung der folgenden Maßnahmen verwenden, um dem Apollofalter beste Voraussetzungen zu bieten:

Nachhaltige Pflege der Weinbergsbrachen bleibt zentrale Projektmaßnahme

Im vergangenen Winter sind die im Vorjahr freigestellten Weinbergsbrachen an der Mosel noch einmal nachgepflegt worden. Die Einsatztrupps beseitigten dabei mit Freischneidern die neu getriebenen Stockausschläge der gerodeten Gehölze. „Werden die Flächen nicht in regelmäßigen Abständen nachgepflegt, dann verpufft der Effekt der Entbuschung bereits innerhalb weniger Jahre und das Gelände wächst wieder zu. Als Folge finden Offenlandarten wie der Apollofalter keinen geeigneten Lebensraum mehr“, erklärt Biologe Jörg Hilgers, der das Projekt von Beginn an betreut. Das Freistellen brachliegender Weinberge ist dabei eine der wirksamsten Maßnahmen für den Erhalt des Schmetterlings. Dies hat sich im letzten Jahr durch die vermehrte Beobachtung der Tiere auf den Maßnahmenflächen deutlich gezeigt. Aus diesem Grund hat das Team um Jörg Hilgers zuletzt auch noch weitere Grundstücke von Gehölzen befreit. Zwischen Kobern-Gondorf und Winningen, wo sich das derzeit größte Vorkommen des Apollofalters im Moseltal befindet, konnte mittlerweile ein Großteil der Weinbergsbrachen in Wert gesetzt werden. In Zukunft ist dies unter anderem auch für den Ausoniusstein und die Lehmener Würzlay geplant. Dort wurden im vergangenen Winterhalbjahr bereits die ersten Maßnahmen umgesetzt.

Raupen aus der Erhaltungszucht werden an ehemaligen Fundorten wiederangesiedelt

Die Weinbergsbrachen müssen regelmäßig nachgepflegt werden, damit sich die aus der Erhaltungszucht ausgesetzten Schmetterlingsraupen wohlfühlen. 

Auch in diesem Jahr wurden wieder mehrere hundert Apollofalter-Raupen bis zu einer Größe von etwa zwei bis drei Zentimetern aufgezogen und in die Freiheit entlassen. Das Aussetzen erfolgte im April, damit sich die gezüchteten Tiere synchron zu den Tieren im Freiland entwickeln konnten. Wie schon im Vorjahr wurden die meisten Raupen in Lebensräume gebracht, in denen der Apollofalter nicht mehr vorkommt und die im Vorfeld aufgewertet worden sind. Aus eigener Kraft würde die Art diese Lebensräume aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr erreichen, denn dafür ist sie inzwischen zu selten geworden. Dass die Wiederansiedlungen funktionieren, gilt keineswegs als sicher. Jörg Hilgers zeigt sich aber zuversichtlich: „Die Chancen auf Erfolg stehen gut, denn die freigestellten Lebensräume bieten der Art alles, was sie braucht.“ Es besteht also die berechtigte Hoffnung, dass der Apollofalter in Zukunft wieder an ehemaligen Fundorten fliegen wird. 

Ersatzlebensraum wird gezielt für Apollofalter entwickelt

Ob die Wiederansiedlung im Ersatzlebensraum in einem Seitental der Mosel erfolgreich ist, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. 

Seit Anfang des letzten Jahres wird in einem Seitental der Mosel ein Ersatzlebensraum für den Apollofalter geschaffen. Es handelt sich dabei um einen mit Felsen durchsetzten Südhang, den die Ökostiftung Untermosel in einem Teilbereich bereits pflegt. Dort sind für den Apollofalter geeignete Lebensraumstrukturen vorhanden, die zuletzt durch großflächige Freistellungsmaßnahmen noch deutlich erweitert wurden. Im vergangenen Jahr hat das Team des Apollofalter-Projekts in diesem Ersatzlebensraum rund 70 Raupen aus der Erhaltungszucht ausgesetzt. Mit Erfolg: Wenige Wochen nach der Aussetz-Aktion konnten schon mehrere Falter auf der Fläche beobachtet werden. Ein Reproduktionsnachweis in Form einer Paarung oder Eiablage gelang nicht. Umso größer war die Freude, als im April nach langer Suche eine Raupe gefunden wurde. Sie belegt ein Stück weit, dass die Ansiedlung auf einem guten Weg ist. Das oberste Ziel ist eine dauerhafte Apollo-Population. So wurden zuletzt im Ersatzlebensraum weitere Raupen freigelassen, damit dort nach wenigen Wochen viele Apollofalter fliegen und sich anschließend bei weiterer Pflege des Lebensraums eine dauerhafte Population etablieren kann. Ob dies gelingt, wird sich allerdings erst über die Jahre zeigen. 

 

Zum Hintergrund: Der Apollofalter

Der Mosel-Apollo (wissenschaftlich Parnassus apollo vinningensis) ist einer der schönsten heimischen Tagfalter. Das Besondere: Es gibt ihn nur an der Mosel und sonst nirgends auf der Welt. Leider ist dieser wunderschön gezeichnete Schmetterling akut vom Aussterben bedroht: In seinem eng umgrenzten Verbreitungsgebiet zwischen Winningen und Bremm konnten viele Vorkommen in den vergangenen Jahren nicht mehr nachgewiesen werden. Selbst in Gebieten mit ehemals größeren Populationen sind Funde inzwischen überaus selten. Der dramatische Rückgang des Mosel-Apollos könnte weitreichende Folgen haben. Es droht der Verlust einer Art mit einem außerordentlichen Stellenwert für die Biodiversität an der Mosel.