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Ersatzzahlungsprojekt "Weinbergsbrachen zwischen Alken und Niederfell"

Ersatzzahlungsprojekt "Weinbergsbrachen zwischen Alken und Niederfell

Ein Naturschutzprojekt an der Unteren Mosel haucht den brach liegenden Weinberghängen zwischen Alken und Niederfell neues Leben ein: Auf einem über 16 Hektar großen Areal schafft die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Mayen-Koblenz einen wertvollen Lebensraum für akut bedrohte sowie seltene Tier- und Pflanzenarten. Die erforderlichen Mittel stellt die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz zu 100 Prozent bereit. Da sich die Projektflächen im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz befinden, arbeitet die Untere Naturschutzbehörde mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord und mit Landesforsten zusammen. Bei den geplanten Freistellungs- und Offenhaltungsmaßnahmen kommt es zu keinem Kahlschlag, stattdessen wird in der klimatisch begünstigten Steillage ein wertvolles Biotopmosaik aus Gehölzen, Wäldern, Trockenmauern und Freiflächen geschaffen und dauerhaft erhalten. Solche abwechslungsreichen Lebensräume bieten zahlreichen seltenen Vögeln, Insekten, Reptilien und Pflanzen auf Dauer eine Heimat.

Zippammer

Eine, der besonders seltenen Arten, die vom Projekt profitiert, ist die Zippammer. Die  Zippammer ist ein lokaler Brutvogel (Jahresvogel), spärlicher Druchzügler. Bestand: 250-300 Reviere (2007-2012).

  • Lebensraum

    • In Rheinland-Pfalz nur in wenigen klimatisch begünstigten Gebieten, bevorzugt südwärts gerichtete, steile, felsige Hänge  (oft an Talwänden entlang der Flüsse, vielfach Weinbergterrassen in Nähe), Voraussetzung für Vorkommen: Mosaik von Trockenbiotopen (Xerothermhabitate) an den Hängen mit schütter bewachsenen Felsheiden, Gesteinshalden, Steinbrüchen, etc.
    • Felsköpfe oder Felswände
    • Steile Weinbergterrassen: Insb. Rebenfreie Kopf- und Endstücke der Weinberge beherbergen Vielfalt samentragender Wildkräuter, Insekten und Spinnentieren
    • Mittel- und Randstreifen von Weinbergs-Wegen beliebt für Nahrungssuche, Samen des Vogelknöterich: Futterquelle im Herbst und Winter,
    • die felsigen, locker verbuschten Trockenrasenflächen und höhenbegrenzende Niederwaldvegetation : unentbehrlich für den Nahrungserwerb, Erreichbarkeit des Niederwaldes, Vorkommen von WeinbergsPfählern, verstreuten Busch- und Baumgruppen, Weinbergs-Mauern
    • Habitat-Elemente in rheinland-pfälzischen Weinbauregionen von Ahr, Mittelrhein, Mosel und Nahe
    • Reviere entlang der größeren Flüsse auf südwärts gerichteten Hangzügen
    • Vorkommen: Flusstäler von Mittelrhein und Mosel
    • Auffällig in den nördlichen Landesteilen: Parallelität zum Weinbau
    • 3,5 BP/10 ha Blumsley bei Winningen (MYK)
    • An der Untermosel (MYK) Vorkommen: rechtes Moselufer bei Niederfell, Kühr, Oberfell, Alken  und nördlich von Burgen an insgesamt sieben Örtl. , linke Moselseite insgesamt 68 Plätze zwischen Güls/KO und Moselkern/COC, insbesondere zwischen Winningen und Kobern, sowie entlang der Strecke Gondorf, Lehmen, Kattenes, Keherbachtal, Löf, Hatzenport bis zum unteren Elztal, früher: zudem in Nette-, Elz- und Pommerbachtal
    • Mittelrheintal: Vorkommen Rhens (MYK)
    • Besiedlungsdichte: 2,14 Reviere/10 ha an der Untermosel (Winningen)
    • In den strukturreichen Steilhängen an der Untermosel herrschen weit überdurchschnittliche Abundanzen im Vergleich zu der Mittelmosel
  • Bestandsentwicklung

    Rote Liste der in RLP gefährdeten Brutvogelarten (Stand 2007-2012) führt die Art der Kategorie 3 Gefährdet“ zu mit Bestand von 250-300 Reviere -> bestätigt den lang- und mittelfristig abzeichnenden Bestandsverlust.

  • Zug und Rast

    • Einerseits Standvögel, ganzjährig im näheren Umfeld verweilen, andererseits auch Hinweise auf großräumigere Zugbewegungen
    • Im Winter oft an Winterfütterungen in Hausgärten im Umfeld der Brutplätze anzutreffen.
    • Im Winter kommt es oft zu Vergesellschaftung mit anderen Vogelarten
    • Im Herbst und Winter sogar bis zu  Gesellschaften von über 10 Ind., sonst eigentlich überwiegend Einzelvögel oder Kleingruppen mit 2-5 Ind.
    • Je nach Witterung schon im Januar: Gesang zu hören, Höhepunkt erreicht Gesangsaktivität von April  bis Anfang  Juni, endet meist im Juli
    • kälte-, sturm- und schneeerprobt
  • Alter

    Farbig beringte Population: über 8 Jahre, Durchschnittsalter: im 10-jährigen Mittel: 2,6 Jahre (weiblich), 2,0 Jahre (männlich)

  •  Fortpflanzung

    • Regel sind wohl zwei Bruten, Schlupf der Erst-Brut erfolgt meist Anfang Mai, der zweite im Juni, Nestbau ab Anfang/ meist Mitte April
    • In der Regel vier, selten fünf Eier, Brutdauer: ca. 12-14 Tage
  • Nahrung

    Während Brutperiode: überwiegend Insekten und deren Entwicklungsstadien sowie andere Wirbellose, Erst-Brut im Rheintal: fast ausschließlich Schmetterlingslarven (150-200 Raupen pro Tag und Nestling), zweite Brut in der Regel: Heuschrecken, im Winter fast ausschließlich Sämereien.

  • Gefährdung und Schutz

    • Ausräumung der Weinbergs-Terrassen-Landschaft durch Flurbereinigung in letzten Jahren -> erheblicher Rückgang der Zippammer-Bestände, gilt inzwischen als „stark gefährdet“,
    • Bestandsentwicklung: mittel- und langfristig negativ,
    • neben der Zerstörung des Lebensraums führen ungünstige Witterungsbedingungen zu Bestandseinbußen, z.B. anhaltend nasskalte Witterung während Fortpflanzungsperiode, sowie scharfer Frost und eine Schneedecke über längeren Zeitraum
    • Systematische und kontinuierliche Bestandserfassung sind dringend erforderlich