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Waldbrand: Im Kreishaus laufen Fäden zusammen

Einer, der die Strukturen kennt 

IT, Lagekarten, Schautafeln, Whiteboards, Moderationsmaterial: Was banal klingt, schafft die Grundlage dafür, unter erheblichem Zeitdruck Entscheidungen treffen zu können. Korzeniowski kennt solche Strukturen. Bevor er 2019 sein duales Studium bei der Kreisverwaltung absolvierte, war er 15 Jahre Offizier bei der Bundeswehr. Er studierte Politikwissenschaft und Internationales Management. Heute arbeitet er im Referat 3.33 / Ordnung, Zivil- und Katastrophenschutz und ist unter anderem für Rettungsdienst, Staatsangehörigkeits- und Personenstandswesen, die Unterbringungsbehörde sowie die Aufsicht über die Meldeämter zuständig. Seine Erfahrungen aus der Bundeswehr kann er im Verwaltungsstab gut einbringen. Punkt 14 Uhr informiert Korzeniowski die Vertreter verschiedener Bereiche über die Lage. „Bei den Sitzungen arbeiten wir nach einem strukturierten und standardisierten Verfahren, damit wir einen Überblick über die Lage bekommen. Probleme werden identifiziert und Aufgaben verteilt“, erläutert Rafael Korzeniowski. Die Leitung des Verwaltungsstabs hat an dem Tag die Leitende Staatliche Beamtin Susanne Bartscher. Sie entscheidet, welche Fachkompetenz gebraucht wird. Wer gehen kann, bleibt abrufbereit. Umgekehrt können Expertisen wie etwa Polizei, THW oder Bundeswehr jederzeit hinzugezogen werden. „Wir arbeiten strukturiert, aber ergebnisoffen. Es geht darum, möglichst kreative Lösungen zu finden“, sagt Korzeniowski. Der Verwaltungsstab verkürzt Dienstwege und bringt Probleme direkt zu den zuständigen Fachbereichen. 

1.000 Menschen im Fokus 

Wie wichtig das ist, zeigt sich schnell: Rund 1.000 Einwohner von Arft und Langenfeld sollen sich auf eine mögliche Evakuierung vorbereiten. Transport, Unterbringung und Verpflegung müssen vorsorglich organisiert werden. Das Unternehmen Transdev stellt auf Anfrage unbürokratisch zahlreiche Busse in Aussicht. Als Unterkünfte werden die Sporthallen der Albert-Schweitzer-Realschule plus in Mayen und der Realschule plus in Mendig organisiert. Feldbetten stehen ebenfalls bereit. Doch 1.000 Menschen sind nicht nur eine Zahl auf der Lagekarte. Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen sowie Personen, die Medikamente, medizinische Geräte oder Beatmung benötigen, müssen berücksichtigt werden. Zugleich gilt es vorauszudenken: Was, wenn sich das Evakuierungsgebiet ausweitet? Neue Informationen erreichen fortlaufend den Sitzungssaal. Katastrophenschutz und Pressestelle stehen im Austausch mit der Technischen Einsatzleitung vor Ort. Auch Alternativen werden geprüft. Hotels scheiden schnell aus: Wegen der DTM am Nürburgring sind viele stark belegt oder ausgebucht. Zudem lassen sich Versorgung und Betreuung in zentralen Unterkünften besser organisieren. Sind die Aufgaben verteilt, gehen die Fachbereiche an die Arbeit. Nach 30 bis 60 Minuten tagt der Stab erneut. Ergebnisse werden präsentiert, Optionen bewertet. „Am Ende werden Entscheidungen getroffen oder eben Optionen gewählt“, sagt Korzeniowski. Für die Stabsleitung bedeutet das besondere Verantwortung. „Die Leitung muss einen guten Draht zum Landrat haben“, sagt Korzeniowski. Sie muss ihn in seiner Abwesenheit vertreten können und trifft die finalen Entscheidungen. 

Waldbrand: Im Kreishaus laufen Fäden zusammen

Eine Konsequenz aus der Ahrflut 

Die Strukturen sind auch eine Konsequenz aus der Flutkatastrophe im Ahrtal. Danach organisierte der Landkreis seinen Katastrophenschutz neu und suchte Mitarbeitende wie Korzeniowski, die sich freiwillig in der Koordinierungsgruppe engagieren. Bis Alarmstufe 3 liegt die Verantwortung bei Einsätzen grundsätzlich bei Verbandsgemeinden und Städten, mit Alarmstufe 4 übernimmt der Landkreis. Der Verwaltungsstab ist aber nicht allein an Alarmstufen gebunden, sondern kann auch unabhängig davon einberufen werden – „wenn Fälle komplex und zeitkritisch sind“, erklärt Korzeniowski. Ein Beispiel war die Corona-Pandemie. Wenn aus Einsatz Erfahrung wird Am Freitagnachmittag entspannt sich die Lage. Die Evakuierung wird nicht notwendig. Gegen 18 Uhr lässt der Stab seine Arbeit ruhen, bleibt aber in Alarmbereitschaft. Am Montag kommt er zur Nachbereitung nochmals zusammen, bevor ihn die Leitende Staatliche Beamtin auflöst. Für Rafael Korzeniowski endet damit eine Aufgabe, bei der ihm nicht nur seine berufliche Erfahrung zugutekommt. Vor allem die Zusammenarbeit reizt ihn: „Dass alle an die Sache denken und ergebnisorientiert arbeiten, gefällt mir besonders gut daran.“ Für ihn geht es um mehr als Lagekarten, Stabsstrukturen und kurze Entscheidungswege. „Es ist eine notwendige und sinnvolle Einrichtung. Die Gesellschaft funktioniert nur, wenn jeder bereit ist, zu helfen.“ 


Kommentar von Landrat Marko Boos 

Zusammenhalt, wenn’s drauf ankommt – darauf können alle stolz sein 

Die vergangenen Tage rund um den Waldbrand bei Langscheid haben uns eindrucksvoll vor Augen geführt, was Zusammenhalt bedeutet. Fast 48 Stunden lang haben Hunderte Menschen alles gegeben, um das Feuer einzudämmen und Schlimmeres zu verhindern. Dafür empfinde ich vor allem eines: tiefe Dankbarkeit. Mein größter Dank gilt unserer Blaulichtfamilie. Den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren, den Kräften von DRK, THW, Polizei und weiteren Hilfsorganisationen. Viele von ihnen haben unter schwierigsten Bedingungen und teilweise bis an die Erschöpfungsgrenze gearbeitet. Sie waren da, als sie gebraucht wurden – ohne zu zögern. Ebenso beeindruckend war die große Hilfsbereitschaft aus der Region. Landwirte und Unternehmer rückten mit Fahrzeugen und Maschinen an, spontane Helferinnen und Helfer packten an. Unterstützung kam zudem von Einsatzkräften aus ganz Rheinland-Pfalz. Sie alle haben gezeigt: Wenn es darauf ankommt, stehen wir zusammen. Mein Dank gilt auch Bürgermeister Timo Kanzinger und der Verbandsgemeinde Vordereifel für die hervorragende Zusammenarbeit sowie der Technischen Einsatzleitung und dem Verwaltungsstab der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz. Gerade die Arbeit des Verwaltungsstabes findet häufig abseits der Öffentlichkeit statt. Doch auch dort haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über viele Stunden mit großer Verantwortung, Konzentration und Engagement gearbeitet, Entscheidungen vorbereitet und dafür gesorgt, dass im Hintergrund die notwendigen Strukturen funktionieren. Sie haben einen richtig guten Job gemacht. Nicht vergessen möchte ich diejenigen, die man auf den Einsatzbildern nicht sieht: die Familien der Einsatzkräfte. Sie halten den Rücken frei, verzichten auf gemeinsame Zeit und tragen Sorgen mit. Auch Ihnen gebührt mein Dank. Und schließlich danke ich den Bürgerinnen und Bürgern. Die vielen aufmunternden Worte, Nachrichten und Zeichen der Anerkennung haben gezeigt, wie sehr die Menschen hinter unseren Einsatzkräften stehen. Dieser Einsatz hat einmal mehr bewiesen, was unsere Region auszeichnet: Zusammenarbeit, Vertrauen und Menschen, die füreinander da sind, wenn sie gebraucht werden. Dafür sage ich von Herzen: Danke!